Ich las, sah, hörte: Medien im Juli 2016

Bücher

Michael Grewe: „Hoffnung auf Freundschaft“ und „Hunde brauchen klare Grenzen“

Michael Grewe ist, gemeinsam mit der verstorbenen Wolfsforscherlegende Erik Zimen, Gründer des CANIS-Zentrums für Kynologie (Hundekunde). CANIS bietet eine sehr ausführliche Ausbildung an, fast schon ein richtiges Studium mit Abschluss. Die Hundeschule unseres Vertrauens in Bergisch Gladbach, die Hundeschule Rotter, folgt der CANIS-Lehre. Und da ich mit der Art und Weise sehr glücklich gewesen war, wie Christoph Rotter und Charlie Pascoletti uns geholfen hatten, uns mit unserem übernommenen Dackel in die Spur zu bringen, der sozial total verbogen, phasenweise bissig und oft wenig folgsam war, wollte ich mehr über die Grundlagen dieser Lehre wissen.

Michael Grewe beschreibt in beiden Büchern sehr anschaulich, dass CANIS letzlich gerade keine Methode ist. In „Hoffnung auf Freundschaft“ geht es um die Welpenerziehung, in „Hunde brauchen klare Grenzen“ um den generellen Umgang mit Hunden. Grewe propagiert eine einfache Haltung von Menschen gegenüber, oder besser: mit Hunden. Hund und Mensch müssen ein Sozialgefüge haben, das auf Vertrauen und Verlässlichkeit beruht. Verlässlichkeit aus Hundesicht bedeutet, dass der Hund sich das Verhalten seines Menschen erklären kann, auch wenn er getadelt oder bestraft wird. Dann werden klare Regeln etabliert, die der Hund zu befolgen hat, und auf der Grundlage des Vertrauens kann der Hund akzeptieren, dass er diese Regeln einzuhalten hat.

Diese Methode ist sehr einfach, sie kommt ohne Tricks aus, und ist gerade deshalb so auch schwierig. Letztlich muss man als Mensch authentisch und in denselben Situationen immer gleich handeln. Regeln dürfen und sollen dabei durchaus körperlich durchgesetzt werden. Christoph sagt immer: Der Hund bekommt eine faire Chance, ein gegebenes Kommando zu befolgen. Wenn er es nicht tut, wird ihm körperlich klar gemacht, was er tun sollte. Das heißt nicht, das Tier zu verprügeln. Aber das heißt durchaus, das Tier zu packen und dahin zurückzuziehen, wo es bleiben soll, es zu schubsen oder mal zu kneifen oder es bedrohlich aus der Küche zu scheuchen oder den Welpen kurz in den Flur zu verfrachten, wenn er trotz klaren Verbots das Stuhlbein annagt. Gesprochen wird mit dem Hund dabei nur das Nötigste, eben das Kommando, das Durchsetzen erfolgt körperlich und ohne Worte.

Die vertrauensvolle, zuneigungsreiche Beziehung mit einem Welpen soll auch körperlich aufgebaut werden: Spielen mit Anfassen, Streicheln, Knuffen, Knuddeln und auch mal zart zwicken lassen.

Mit Hunden kann man halt nichts besprechen, sondern sie sind körperliche Tiere, die Zuneigung und Abneigung körperlich zeigen und gezeigt bekommen können.

So nimmt man aus Michael Grewes Büchern kein Rezept mit, wie man dem Hund mit Leckerchen, Klickern oder anderen Hilfsmitteln Kunststücke beibringt. Sondern man lernt, dass und wie man eine Beziehung zum Hund herstellt, die den Rahmen für ein gutes Miteinander schafft, bei dem man auch mal unterschiedlicher Meinung sein kann.

Einen Satz fand ich besonders schön, den Grewe in „Hoffnung auf Freundschaft“ fast schon lakonisch an vielen Stellen nachsetzt, in denen er beschreibt, wie Regeln durchgesetzt werden, die der Hund gerade nicht befolgt: „Die Stimmung ist freundlich.“ Hunde sind nicht nachtragend, und Halter, die eine Regel durchsetzen, sollten eben auch nicht sauer auf den Hund sein.

Die Mischung aus Körperlichkeit, Zuneigung, Konsequenz und freundlicher Grundstimmung macht Grewes Lehre aus, gefällt mir sehr gut und hat bei einem von unseren jetzt zwei Hunden schon gute Erfolge gezeigt.

Empfehlenswerte Bücher für alle, die sich wirklich mit ihrem Hund auseinandersetzen wollen.

Gemeinsamer Kontrollgang von Diwi und Magnus

Film/TV/Serie

Next Goal Wins

Eine liebevolle Doku über die bis dahin schlechteste Nationalmannschaft der Welt, die von Amerikanisch-Samoa, bis dahin nur berühmt für die höchste Niederlage, die jemals eine Mannschaft im internationalen Fußball erlitt. Was will man erwarten, wenn ein Land mit der Einwohnerzahl von Eschweiler oder Hameln, das außerdem noch berühmt ist für die Wohlbeleibtheit seiner Bürger, sich in die große Welt aufmacht? Die Rechnung, die anlässlich der EM aufgemacht wurde, dass es in Island abzüglich Frauen, Fischern, zu Alten, zu Jungen, Dicken und des Trainers eh nur 23 Menschen gibt, die als Nationalspieler in Frage kommen, könnte man auf Amerikanisch-Samoa wahrscheinlich ohne Ironie mal durchkalkulieren und käme wohl auf weniger als 23.

Das Herz dieser handwerklich sehr gut gemachten Dokumentation darüber, wie die Samoanoer schließlich ihren ersten Länderspielsieg überhaupt feiern, bilden zwei Hauptpersonen: zum einen der holländische Trainer Thomas Rongen, der Nationaltrainer von Amerikanisch-Samoa und dort vom harten Drill Sergeant zum Menschen wird. Und Jaiyah Saelua, ein/e Fa’afafine, Mitglied des „dritten Geschlechts“ auf Samoa, etwas inkorrekt könnte man Transgender sagen, jedenfalls ein biologischer Mann, der wie eine Frau erzogen wurde und der/die wider alle Erwartung ins Team rutscht und zum Erfolg beiträgt.

„Next Goal Wins“ ist ein Film über Fußball, über die gesellschaftliche Bedeutung von Fußball, über Gewinnen und Verlieren und schlicht über Menschlichkeit. Großartig!

Die Frau, die singt (Incendies)

Ein Film, zu dem ich keinen Zugang gefunden habe. Ein Geschwisterpaar bekommt das Testament ihrer Mutter eröffnet. Um den letzten Willen zu erfüllen, müssen sie in den mittleren Osten reisen und entdecken dort nach und nach schlimme Familiengeheimnisse.

Das war mir alles etwas zu abrupt, ich habe keine Beziehung zu den Figuren aufbauen können und den Film einfach nicht verstanden. Ich denke, es lag an mir und meiner Müdigkeit an dem Abend, aber der Film war mir von Anfang an total egal.

Stranger Things

Kennt ihr wahrscheinlich alle schon, habt ihr jedenfalls von gehört. Stranger Things ist ein Mix aus E.T. und Horrorfilm, handwerklich toll gemacht, aber ein bisschen uninspiriert. Sehr viele Versatzstücke der Serie kennt man schon: Es gibt in Stranger Things eine Parallelwelt wie bei Inarritus „Pans Labyrinth“, das telekinetische Mädchen erinnert an „Stalker“, die Jungs auf ihrem BMX-Rädern natürlich an E.T., dann noch ein bisschen Coming of Age, ein bisschen „Signs“ und ein Monster wie ein Dunewurm mit Armen und Beinen. Spannend war’s, ich habe sieben von acht Folgen an einem Tag weggeguckt, aber am Ende fehlten mir Bedeutung, Metapher, Allegorie, Tiefe. Das war sehr nett, wirklich SEHR nett, aber es blieb reine Unterhaltung, obwohl es leicht mehr hätte werden können.

Der Marsianer

Ich hatte nicht viel erwartet und wurde nicht enttäuscht. Der Film folgt in seiner Dramaturgie vollständig dem Buch: Die Ereignisse passieren Schlag auf Schlag, nur für die Figuren bleibt keine Zeit, die so platt bleiben wie ein holländischer Fahrradweg. Obwohl der Film 2,5 Stunden lang ist, wird eine der größeren Katastrophen, die Mark Watney auf dem Mars im Buch passieren, sogar noch weggelassen. So gehetzt ist die Story. Am Ende wirkt“Der Marsianer“ wie der Film, der Mark Watney kurz vor seinem möglichen Tod vor dem inneren Auge vorbeirauscht: Ganz viele Bilder, viele Situationen, aber kein Zusammenhang und keine Tiefe. Kann man sich sparen.

Musik

Badbadnotgood: IV

Eine sehr gute Jazz-Fusionplatte, die voll auf der Höhe ihrer Zeit ist. Besonders gut gefallen mir „Time Moves Slow“, eine Kooperation mit Sam Herring von Future Islands, mit dem Badbadnotgood auch eine Coverversion des Future-Islands-Hits „Seasons“ gespielt haben (s.u.), und „Confessions Pt II“ mit dem kanadischen Saxophonisten Colin Stetson. Insgesamt ist IV zeitgemäßer Jazz in verschiedenen Spielarten, von klassisch über hiphoppig bis poppig. Sehr gut!

Weaves: Weaves

Mit dem Debüt von Weaves konnte nicht sofort etwas anfangen, bis ich es dann doch mal intensiv und aufmerksam gehört habe. Beim nebenläufigen Hören fühlt man sich schnell an Pavement und die Pixies erinnert, was ja wirklich keine schlechten Referenzen sind – nur dass es Pavement und die Pixies eben schon gab. Bei näherer Betrachtung zeigen sich aber die feinen Unterschiede, die Weaves lohnend machen: insbesondere die große Musikalität, die tanzende Leichtigkeit, die im NPR Tiny Desk Concert unten sofort offensichtlich wird, weil Weaves mit ihrem eingängigsten Song starten. Die Musikalität bleibt aber auch in den bretterndsten Passagen ihrer Musik heraushörbar.

Am Ende einfach eine sehr gute Indierockplatte.

Michael Kiwanuka – Love & Hate

Eine tolle Soulplatte, eigentlich recht klassisch, und dann doch immer wieder subtil über die Grenzen des Genres hinaus gehend. Der elegische Opener „Cold Little Heart“ kommt, vor allem in Live-Versionen, fast schon pinkfloydesk rüber. Im Schlussong „The Final Frame“ meine ich, dass die Kiwanukas Gitarre die Faith-No-More-Version von „Easy“ noch etwas mehr zitiert als das ja ohnehin schon coole Commodores-Original. Letzlich bleibt das aber immer Soul, sehr ruhiger, sehr, naja, eben: seelenvoller Soul. Und: Großartiges Video zur Mitklatschsingle „Black Man In A White World“!

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