Ich las, sah, hörte: Medien im Oktober 2016

TV/Serie/DVD

Amanda Knox

Ich habe den Fall Amanda Knox und die Prozesse gegen sie, Raffaele Sollecito und Rudy Guede seinerzeit natürlich wahrgenommen, aber nicht besonders aufmerksam verfolgt. Diese Dokumentation schildert den Verlauf der Untersuchungen und der Prozesse, und er tut das großartig. Vermutlich ist es auch für jemanden spannend, der den Ausgang kennt, für mich war es umso packender. Besonders bemerkenswert ist, dass sich nicht nur Amanda Knox und Rafaele Sollecito vor der Kamera äußern, sondern auch der damals leitende Ermittler und ein Daily-Mail-Reporter. Wie der Film diese beiden sich bloßstellen lässt, ohne süffisant oder gar filmisch unredlich zu werden, ist sehenswert. Beide reden sich einfach um Kopf und Kragen, obwohl sie bald zehn Jahre nach dem Beginn des Falls genug Zeit zur Reflektion gehabt hätten. Sehr sehenswert!

Der 13.

Der Film stellt auf eindringliche Weise dar, wie der 13. Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung, der die Sklaverei abschaffte, dennoch die Grundlage dafür schuf, dass Schwarze in den USA auch Hundert Jahre später noch kriminalisiert werden – nämlich um über ihre kostenlose Arbeitkraft verfügen zu können. Es geht darum, wie die Nixon-Regierung diese Politik im Verborgenen aktiv betrieb und wie sich noch Bill Clinton von der Tradition leiten ließ, nach der kleine Vergehen mit Gefängnis geahndet werden. Im Ergebnis haben die USA die höchste Zahl von Gefangenen in der Welt, und ein überproportionaler Anteil davon sind Schwarze.

Muss man gesehen haben. Augenöffnend.

Man vs Snake: The Long and Twisted Tale of Nibbler

Eine nerdige, unterhaltsame Dokumentation über die erfolgreichen und auch die erfolglosen Versuche, den Weltrekord im Nibbler-Spielen zu brechen. Nibbler ist im wesentlichen eine Art Snake mit Bonuspunkten in einem Irrgarten. Das Spiel ist nichts besonderes, außer in einer Hinsicht: Es bietet als eines der wenigen (als einziges?) einen neunstelligen Score, der wieder auf Null springt, wenn er voll ausgeschöpft wurde. Das heißt: Man kann bei Nibbler eine Milliarde Punkte erreichen. Kleiner Haken daran: Das dauert ca. 40 Stunden. Einen Nibbler-Weltrekord aufzustellen ist also ein echter Marathon.

Witzig ist, dass sich 27 Jahre lang niemand mehr um den Weltrekord gekümmert hatte, bis der vermeintliche Rekordhalter Tim McVey, ein Amerikaner, erfährt, dass sein Rekord schon kurz nach dem Aufstellen in den 80ern von einem Italiener gebrochen wurde. Er fühlt sich herausgefordert, sich seinen Rekord zurückzuholen. Mittlerweile ist er ein über 40 Jahre alter, wohlbeleibter Vollnerd, der in einer Kleinstadt mit seiner Frau und seinem Hund lebt und immer noch mit dem BMX-Rad durch die Gegend jückelt.

Die Story hat noch deutlich mehr Wendungen und Gegenspieler, aber am Ende ist es einfach eine liebenswerte Doku darüber, wie sich Menschen für völlig unwichtige Dinge begeistern können. Die ironische Überhöhung, die jederzeit mitschwingt, ist vielleicht nicht immer beabsichtigt, aber sie lässt einen den ganzen Film über schmunzeln.

Sehr unterhaltsam!

Frank

Frank ist ein Avantgarde-Pop-Musiker, Kopf einer Band, der eine Maske trägt. Immer. Jon ist ein junger, naiver Keyboarder, der unversehens in Franks Band gerät. Der Film dreht sich darum, die die Band in ein entlegenen Waldhütte ein Jahr lang ihre neue Platte aufnimmt. Der Film wird nicht langweilig und lebt natürlich von dem Geheimnis um die Maske. Wenn es aber darum geht, aus der Metapher eine wahrhaftige Botschaft zu machen, die offensichtlich mit Selbstbewusstsein und schließlich auch mit Selbstentdeckung zu tun hat, springt mir der Film zu kurz. Letztlich bleibt er zu gimmickhaft.

Musik

Wilco: Schmilco

Eine neue Platte von Wilco also. Muss man haben. Lohnt sich auch. Begeistert aber, wie meistens, eher auf der langen Strecke. Besonders gut gefällt mir, dass „Schmilco“ näher an Uncle Tupelo ist als die meisten Platten davor.

Against Me!: Shape Shift With Me

Nun also der Nachfolger des ganz großen „Transgender Dysphoria Blues“ und des Coming-Outs von Laura. Shape Shift With Me ist eine solide Platte geworden, fängt angenehm punkig und sperrig an, hat dann aber doch immer wieder die melodischen Punkrock-Songs, die beim letzten Mal eingeführt wurden. Angenehm, aber nicht weltbewegend.

Conor Oberst: Ruminations

Ist ja wohl nicht das schlechteste, wenn man für Bob Dylan gehalten wird, wenn die Platte beim Treffen mit Freunden im Hintergrund läuft. Klar, die Mundharmonika ist eine etwas überdeutliche Flagge für „Ich bin ein introvertiertes Folk-Album“. Aber wenn dann Songs kommen, die so gut sind wie alles, was Conor Oberst in den letzten zwanzig Jahren gemacht hat, dann gibt es keinen Grund sich über irgendwas zu beschweren. Dann kann man diese Platte nur wieder und wieder und wieder auflegen und sich immer tiefer in die Lieder bohren. Platte des Monats.

The Jayhawks: Paging Mr. Proust

Da sind sie immer noch, die Jayhawks, und kein bisschen vom Glanz ihrer ersten Platten ist verblasst. Einige ihrer Songs gehen immer noch auf Anhieb so ins Ohr, als würde man sie seit Jahren kennen, und bleiben doch konsequenter Alt-Country. Gary Louris Stimme hat auch mit über 60 Jahren immer noch die Höhe und die Kraft und  das schmelzig Schneidende, das Jayhawks-Songs schon immer geadelt hat. Geeignet auch für Jayhawks-Neueinsteiger (dann mit Hollywood Town Hall weitermachen).

Kölnpfad, Etappe 6: Vom Wiener Platz nach Schlebusch

Die 6. Etappe des Kölnpfads sind wir vor nun schon drei Jahren gewandert. Ich verblogge sie auch deswegen erst jetzt, weil uns in der Folge leider ein beschädigtes Knie daran hinderte, weitere Etappen zu gehen. Inzwischen könnte das Knie so langsam wieder in Ordnung sein, und im Frühjahr ist auch der neue Hund alt genug, dass er längere Strecken mit uns gehen kann. Dann setzen wir das Projekt hoffentlich fort. Vorher aber zur 6. Etappe:

Es beginnt am Wiener Platz, von dem aus man direktemang runter zum Rhein marschiert und den dann erst mal ein ganzes Stück entlang. Der Rhein ist ja immer schön, die Strecke macht also erst mal Spaß, auch wegen kleiner Accessoire-Funde am Wegesrand.

Neckischer Spaß am Wegesrand

Am Rhein entlang

Nach einiger Zeit passiert man den Stammheimer Schlosspark, der mit zahlreichen Kunstwerken Ablenkung bietet.

Kunst im Stammheimer Schlosspark

Kunst im Stammheimer Schlosspark

Es folgt dann aber, quasi zum negativen Ausgleich, eine der drögesten Passagen des Kölnpfads: zunächst der scheißlange, schnurgerade, langweilige Flittarder Damm. Wenn man dann in Flittard angekommen ist, wird es nicht besser. Man trottet über den Bürgersteig einer Straße, die außer ihrem Straßesein nicht viel zu bieten hat.

Der scheißlange Flittarder Damm

Langweiliger Weg durch Flittard

Anschließend wird es wieder abwechslungsreicher: Man überquert Eisenbahnstrecken und ein Bächlein, unterquert eine Autobahn, schlägt sich auf einem Feldweg durch Dornengestrüpp und passiert den Leverkusener Golfplatz.

Zwischen Feld und Bahn

Über den Mutzbach

Leverkusener Golfplatz

Am Ende wird es noch wirklich schön. Der Weg führt in den Wald, zunächst an einem großen Baggersee vorbei, dann über einen unbeschrankten Bahnübergang und endlich ins schöne, manchmal fast verwunschen wirkende Naturschutzgebiet Am Hornpottweg.

Unbeschrankter Bahnübergang

Baggerloch

Naturschutzgebiet "Am Hornpottweg"

Für die 14 km brauchten wir mit Pausen rund viereinhalb Stunden. Es ist nicht die schönste oder spannendste Kölnpfadetappe, aber man macht das ja schließlich nicht zum Spaß, sondern weil man wandernd erleben möchte, was Köln alles zu bieten hat – oder eben nicht. Gar fürchterlich ist es aber auch nicht, wenn man die Flittarder Passage ausblendet.

Hier ist eine Liste mit meinen Beiträgen zu andere Kölnpfad-Etappen: Kölnpfad-Etappenführer.

Ich sah und hörte: Medien im August und September 2016

Film/TV/Serie

Victoria

Hab ich jetzt auch endlich gesehen und fand ihn großartiger als gedacht. Meine Befürchtung war, dass hinter dem Gimmick, dass der Film in einem einzigen Take gedreht wurde, die Handlung, die Darstellung oder die Story verblassen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Dass der Film keinen Schnitt enthält, spielt eigentlich keine große Rolle. Unterschwellig erhöht es das Gefühl von Dringlichkeit, das der Film schafft, aber schnell werden die Figuren und die Handlung viel wichtiger als alle Technikalitäten. Dass der Plot ein paar Plausibilitätsschwächen hat, spielt auch keine große Rolle, denn der Sog, den besonders auch das teilweise improvisierte Spiel entfaltet, reißt alles mit. Sehr sehenswert!

Deep Web

Deep Web ist eine Dokumentation, die sich vor allem um den Prozess gegen Ross Ulbricht dreht, den angeblichen Kopf hinter der Silk Road, also dem illegalen Marktplatz im „Deep/Dark Web“, auf dem Drogen und angeblich auch Auftragsmorde gehandelt wurden. Ulbricht soll der „Dread Pirate Roberts“ gewesen sein, also hinter dem Pseudonym des Silk-Road-Schöpfers stecken. Tatsächlich ist aber schon fraglich, ob es sich dabei um eine einzige Person handelte. Interessant am Film ist die Darstellung der moralischen Überlegungen hinter der Schaffung eines illegalen Marktplatzes wie der Silk Road. Hier sollten Drogen anonym gehandelt werden können, um der Drogenkriminalität das Wasser abzugraben und weil die Schöpfer Drogenverbote prinzipiell fragwürdig finden. Dinge hingegen, die Menschen Schaden zufügen können, wozu Drogen nach Ansicht der Macher nicht gehören, sollten nicht erlaubt sein. Wurden also wirklich Mordaufträge gehandelt? Weniger interessant hingegen ist, dass der Film stark die Zweifel betont, die es an Ross Ulbrichts Täterschaft gibt. Die Belege dafür waren mir zu schwach, um einen größeren Teil des Films zu tragen, und bei allem Respekt für das persönliche Schicksal, ist es mir am Ende auch egal, ob es Ross Ulbricht oder jemand anders war, der Silk Road geschaffen hat. Die Frage, ob Silk Road überhaupt verurteilenswert ist, finde ich viel interessanter. Dennoch die Zeit wert!

Les Revenants (The Returned)

Les Revenants ist der Film von 2004, aus dem 2012 die gleichnamige Serie entstand, die vor zwei Jahren auf arte gesendet wurde. Die Handlung ist schnell erzählt: Die Toten kehren zurück. Einfach so. Sie sind keine halb verwesten Zombies, sondern äußerlich die Alten, wenn sie auch etwas verwirrt zu sein scheinen und Konzentrationsschwächen haben. Kein Wunder. Der Film ist extrem ruhig und dreht sich letztlich weniger um das vordergründige Spektakel der Rückkehr der Toten, sondern um die Lebenden, um die Beziehungen, um die Gefühle, die von dieser Rückkehr ausgelöst werden. Ich fand die Serie, die ich wegen eines Urlaubs nicht zu Ende gesehen habe, besser als den Film. In einer Serie ist einfach mehr Zeit für das, was auch dem Film das Wichtigste ist: das Menschliche. Muss nicht sein, ist aber ordentlich gemacht.

The Revenant

Den Film und seine Handlung muss ich wohl nicht erklären. Er ist ein verzweifelter und am Ende tatsächlich erfolgreicher Versuch, Leonardo di Caprio endlich seinen Oscar zu verschaffen. Über dem Bemühen, di Caprio Gelegenheit zu geben, oscarreife Gesichter zu machen, vergisst der Film leider vollständig die Figur, die di Caprio spielt. Mitgefühl will sich so nicht einstellen. Schwach.

Indie Game: The Movie

Ein sehr interessanter und einsichtsreicher Film über Entwickler von Indie Games, über ihre Motivation, ihre Arbeit, ihre Ängste, ihre Frustrationen und ihre Erfolge. Letztlich ein großartiges Plädoyer dafür, dass man das machen sollte, was man liebt.

Audrie & Daisy

Ein beeindruckender Film über junge Vergewaltigungsopfer, Cybermobbing und Victim Blaming. In jeder Hinsicht sehenswert.

Musik

The Avalanches: „Wildflower“ und „This is it“

The Avalanches sind ein DJ-Team, das nach 15 Jahren jetzt seine zweite Platte rausgebracht hat. Das Konzept ist es, historische oder obskure Samples mit Big Beat zu verheiraten. Das funktioniert recht gut, balanciert aber auch ständig am Rande der Cheesiness. Unterhaltsam, wenn auch nicht wirklich wichtig. Kann man aber gut zwei Stunden mit verbringen. (Erinnert mich oft an The Go! Team.)

Kiesgroup: Eulen und Meerkatzen

So klingt also Punk, wenn die Punker zu gute Musiker sind. Ich bin auf Kiesgroup durch eine enthusiastische Intro-Rezension aufmerksam geworden. Fast jeder Song auf „Eulen und Meerkatzen“ folgt einem anderen Stil: da sind klassische „Goldene Zitronen“-Songs, der nächste klingt nach „Herr Rossi sucht das Glück“, dann kommt ein komplett dancefloortauglicher Beat a la Andreas Dorau. Klassisch, modern, punkig, fröhlich. Diese Platte hat alles!

Girls Names: My Arms Around A Vision

Geiler Indierock: Gutes Songwriting, amtlich instrumentiert. Verändert die Welt nicht, geht aber sehr gut ins Ohr und hat genug Tiefe, um auch zehn Mal gehört zu werden.

DePedro: El Pasajero

DePedro, eigentlich Jairo Zavala, ist ein spanischer Gitarrist und Sänger, der regelmäßiger Gastmusiker bei Calexico ist. Seine Soloplatten sind von wechselhafter Qualität, nie schlecht, die erste war grandios, diese ist mal wieder richtig gut geworden und erinnert stärker an sein Debut als die zwischenzeitlich etwas zu poppig geratenen Werke. Ich habe private, sehr positive Erinnerungen, die ich mit einem DePedro-Konzert in der Kölner Kantine verknüpfe, aber auch unabhängig davon ist er einfach ein guter Musiker und schreibt so angenehme wie anspruchsvolle und gut gespielte Musik.

Ich las, sah, hörte: Medien im Juli 2016

Bücher

Michael Grewe: „Hoffnung auf Freundschaft“ und „Hunde brauchen klare Grenzen“

Michael Grewe ist, gemeinsam mit der verstorbenen Wolfsforscherlegende Erik Zimen, Gründer des CANIS-Zentrums für Kynologie (Hundekunde). CANIS bietet eine sehr ausführliche Ausbildung an, fast schon ein richtiges Studium mit Abschluss. Die Hundeschule unseres Vertrauens in Bergisch Gladbach, die Hundeschule Rotter, folgt der CANIS-Lehre. Und da ich mit der Art und Weise sehr glücklich gewesen war, wie Christoph Rotter und Charlie Pascoletti uns geholfen hatten, uns mit unserem übernommenen Dackel in die Spur zu bringen, der sozial total verbogen, phasenweise bissig und oft wenig folgsam war, wollte ich mehr über die Grundlagen dieser Lehre wissen.

Michael Grewe beschreibt in beiden Büchern sehr anschaulich, dass CANIS letzlich gerade keine Methode ist. In „Hoffnung auf Freundschaft“ geht es um die Welpenerziehung, in „Hunde brauchen klare Grenzen“ um den generellen Umgang mit Hunden. Grewe propagiert eine einfache Haltung von Menschen gegenüber, oder besser: mit Hunden. Hund und Mensch müssen ein Sozialgefüge haben, das auf Vertrauen und Verlässlichkeit beruht. Verlässlichkeit aus Hundesicht bedeutet, dass der Hund sich das Verhalten seines Menschen erklären kann, auch wenn er getadelt oder bestraft wird. Dann werden klare Regeln etabliert, die der Hund zu befolgen hat, und auf der Grundlage des Vertrauens kann der Hund akzeptieren, dass er diese Regeln einzuhalten hat.

Diese Methode ist sehr einfach, sie kommt ohne Tricks aus, und ist gerade deshalb so auch schwierig. Letztlich muss man als Mensch authentisch und in denselben Situationen immer gleich handeln. Regeln dürfen und sollen dabei durchaus körperlich durchgesetzt werden. Christoph sagt immer: Der Hund bekommt eine faire Chance, ein gegebenes Kommando zu befolgen. Wenn er es nicht tut, wird ihm körperlich klar gemacht, was er tun sollte. Das heißt nicht, das Tier zu verprügeln. Aber das heißt durchaus, das Tier zu packen und dahin zurückzuziehen, wo es bleiben soll, es zu schubsen oder mal zu kneifen oder es bedrohlich aus der Küche zu scheuchen oder den Welpen kurz in den Flur zu verfrachten, wenn er trotz klaren Verbots das Stuhlbein annagt. Gesprochen wird mit dem Hund dabei nur das Nötigste, eben das Kommando, das Durchsetzen erfolgt körperlich und ohne Worte.

Die vertrauensvolle, zuneigungsreiche Beziehung mit einem Welpen soll auch körperlich aufgebaut werden: Spielen mit Anfassen, Streicheln, Knuffen, Knuddeln und auch mal zart zwicken lassen.

Mit Hunden kann man halt nichts besprechen, sondern sie sind körperliche Tiere, die Zuneigung und Abneigung körperlich zeigen und gezeigt bekommen können.

So nimmt man aus Michael Grewes Büchern kein Rezept mit, wie man dem Hund mit Leckerchen, Klickern oder anderen Hilfsmitteln Kunststücke beibringt. Sondern man lernt, dass und wie man eine Beziehung zum Hund herstellt, die den Rahmen für ein gutes Miteinander schafft, bei dem man auch mal unterschiedlicher Meinung sein kann.

Einen Satz fand ich besonders schön, den Grewe in „Hoffnung auf Freundschaft“ fast schon lakonisch an vielen Stellen nachsetzt, in denen er beschreibt, wie Regeln durchgesetzt werden, die der Hund gerade nicht befolgt: „Die Stimmung ist freundlich.“ Hunde sind nicht nachtragend, und Halter, die eine Regel durchsetzen, sollten eben auch nicht sauer auf den Hund sein.

Die Mischung aus Körperlichkeit, Zuneigung, Konsequenz und freundlicher Grundstimmung macht Grewes Lehre aus, gefällt mir sehr gut und hat bei einem von unseren jetzt zwei Hunden schon gute Erfolge gezeigt.

Empfehlenswerte Bücher für alle, die sich wirklich mit ihrem Hund auseinandersetzen wollen.

Gemeinsamer Kontrollgang von Diwi und Magnus

Film/TV/Serie

Next Goal Wins

Eine liebevolle Doku über die bis dahin schlechteste Nationalmannschaft der Welt, die von Amerikanisch-Samoa, bis dahin nur berühmt für die höchste Niederlage, die jemals eine Mannschaft im internationalen Fußball erlitt. Was will man erwarten, wenn ein Land mit der Einwohnerzahl von Eschweiler oder Hameln, das außerdem noch berühmt ist für die Wohlbeleibtheit seiner Bürger, sich in die große Welt aufmacht? Die Rechnung, die anlässlich der EM aufgemacht wurde, dass es in Island abzüglich Frauen, Fischern, zu Alten, zu Jungen, Dicken und des Trainers eh nur 23 Menschen gibt, die als Nationalspieler in Frage kommen, könnte man auf Amerikanisch-Samoa wahrscheinlich ohne Ironie mal durchkalkulieren und käme wohl auf weniger als 23.

Das Herz dieser handwerklich sehr gut gemachten Dokumentation darüber, wie die Samoanoer schließlich ihren ersten Länderspielsieg überhaupt feiern, bilden zwei Hauptpersonen: zum einen der holländische Trainer Thomas Rongen, der Nationaltrainer von Amerikanisch-Samoa und dort vom harten Drill Sergeant zum Menschen wird. Und Jaiyah Saelua, ein/e Fa’afafine, Mitglied des „dritten Geschlechts“ auf Samoa, etwas inkorrekt könnte man Transgender sagen, jedenfalls ein biologischer Mann, der wie eine Frau erzogen wurde und der/die wider alle Erwartung ins Team rutscht und zum Erfolg beiträgt.

„Next Goal Wins“ ist ein Film über Fußball, über die gesellschaftliche Bedeutung von Fußball, über Gewinnen und Verlieren und schlicht über Menschlichkeit. Großartig!

Die Frau, die singt (Incendies)

Ein Film, zu dem ich keinen Zugang gefunden habe. Ein Geschwisterpaar bekommt das Testament ihrer Mutter eröffnet. Um den letzten Willen zu erfüllen, müssen sie in den mittleren Osten reisen und entdecken dort nach und nach schlimme Familiengeheimnisse.

Das war mir alles etwas zu abrupt, ich habe keine Beziehung zu den Figuren aufbauen können und den Film einfach nicht verstanden. Ich denke, es lag an mir und meiner Müdigkeit an dem Abend, aber der Film war mir von Anfang an total egal.

Stranger Things

Kennt ihr wahrscheinlich alle schon, habt ihr jedenfalls von gehört. Stranger Things ist ein Mix aus E.T. und Horrorfilm, handwerklich toll gemacht, aber ein bisschen uninspiriert. Sehr viele Versatzstücke der Serie kennt man schon: Es gibt in Stranger Things eine Parallelwelt wie bei Inarritus „Pans Labyrinth“, das telekinetische Mädchen erinnert an „Stalker“, die Jungs auf ihrem BMX-Rädern natürlich an E.T., dann noch ein bisschen Coming of Age, ein bisschen „Signs“ und ein Monster wie ein Dunewurm mit Armen und Beinen. Spannend war’s, ich habe sieben von acht Folgen an einem Tag weggeguckt, aber am Ende fehlten mir Bedeutung, Metapher, Allegorie, Tiefe. Das war sehr nett, wirklich SEHR nett, aber es blieb reine Unterhaltung, obwohl es leicht mehr hätte werden können.

Der Marsianer

Ich hatte nicht viel erwartet und wurde nicht enttäuscht. Der Film folgt in seiner Dramaturgie vollständig dem Buch: Die Ereignisse passieren Schlag auf Schlag, nur für die Figuren bleibt keine Zeit, die so platt bleiben wie ein holländischer Fahrradweg. Obwohl der Film 2,5 Stunden lang ist, wird eine der größeren Katastrophen, die Mark Watney auf dem Mars im Buch passieren, sogar noch weggelassen. So gehetzt ist die Story. Am Ende wirkt“Der Marsianer“ wie der Film, der Mark Watney kurz vor seinem möglichen Tod vor dem inneren Auge vorbeirauscht: Ganz viele Bilder, viele Situationen, aber kein Zusammenhang und keine Tiefe. Kann man sich sparen.

Musik

Badbadnotgood: IV

Eine sehr gute Jazz-Fusionplatte, die voll auf der Höhe ihrer Zeit ist. Besonders gut gefallen mir „Time Moves Slow“, eine Kooperation mit Sam Herring von Future Islands, mit dem Badbadnotgood auch eine Coverversion des Future-Islands-Hits „Seasons“ gespielt haben (s.u.), und „Confessions Pt II“ mit dem kanadischen Saxophonisten Colin Stetson. Insgesamt ist IV zeitgemäßer Jazz in verschiedenen Spielarten, von klassisch über hiphoppig bis poppig. Sehr gut!

Weaves: Weaves

Mit dem Debüt von Weaves konnte nicht sofort etwas anfangen, bis ich es dann doch mal intensiv und aufmerksam gehört habe. Beim nebenläufigen Hören fühlt man sich schnell an Pavement und die Pixies erinnert, was ja wirklich keine schlechten Referenzen sind – nur dass es Pavement und die Pixies eben schon gab. Bei näherer Betrachtung zeigen sich aber die feinen Unterschiede, die Weaves lohnend machen: insbesondere die große Musikalität, die tanzende Leichtigkeit, die im NPR Tiny Desk Concert unten sofort offensichtlich wird, weil Weaves mit ihrem eingängigsten Song starten. Die Musikalität bleibt aber auch in den bretterndsten Passagen ihrer Musik heraushörbar.

Am Ende einfach eine sehr gute Indierockplatte.

Michael Kiwanuka – Love & Hate

Eine tolle Soulplatte, eigentlich recht klassisch, und dann doch immer wieder subtil über die Grenzen des Genres hinaus gehend. Der elegische Opener „Cold Little Heart“ kommt, vor allem in Live-Versionen, fast schon pinkfloydesk rüber. Im Schlussong „The Final Frame“ meine ich, dass die Kiwanukas Gitarre die Faith-No-More-Version von „Easy“ noch etwas mehr zitiert als das ja ohnehin schon coole Commodores-Original. Letzlich bleibt das aber immer Soul, sehr ruhiger, sehr, naja, eben: seelenvoller Soul. Und: Großartiges Video zur Mitklatschsingle „Black Man In A White World“!

Usability in der Auto-Konfiguration: Wann geht das Licht früher an?

Mein Nissan Pulsar hat, wie viele modernen Autos, eine automatische Lichtaktivierung. Wenn das Licht außen, das über einen Senor in der Frontscheibe erkannt wird, einen bestimmten Helligkeitswert unterschreitet, gehen Fahrlicht und Rücklicht automatisch an.

Wann das passiert, also schon bei etwas mehr Helligkeit oder erst, wenn es ziemlich dunkel ist, kann man im Menü des Wagens konfigurieren. Das Menü habe ich unten fotografiert.

Nun kommt die entscheidende Frage: Welche Einstellung muss ich wählen, damit das Licht schon bei etwas größerer Helligkeit angeht als in der Standard-Einstellung?

Erst mal kurz das Menü studieren und nachdenken.

Digitalanzeig der Einstellung der Empfindlichkeit der automatischen Beleuchtung in einem Nissan Pulsar
Einstellung der Empfindlichkeit der automatischen Beleuchtung in einem Nissan Pulsar

Und? Was meinst du?

Ich bin ja Physiker. Mein Gedanke ging so:

  • Ich stelle die Lichtempfindlichkeit ein, sagt das Menü.
  • Das ist eine Eigenschaft des Lichtsensors.
  • Wenn der Sensor empfindlicher ist als normal, also bspw. maximal empfindlich, dann denkt er schon bei sehr wenig Außenlicht, dass es hell (genug) ist und lässt das Fahrlicht aus.

Genau so ist es tatsächlich. Wenn ich die Einstellung auf „gering“ setze, geht das Fahrlicht schon im Schatten unter Bäumen an. Der Sensor ist nur gering empfindlich, also reicht auch eine eigenlich relativ okaye Lichtmenge nicht mehr aus, um ihn zu überzeugen, dass es Tag ist. Also macht er das Licht an.

Die Liebste hingegen hatte aus dem Bauch heraus genau die andere Einstellung vorgeschlagen: „Maximal“ hieße ihrer Ansicht nach, dass das Licht schon früh angeht, also wenn es gerade mal zu dämmern beginnt. Das war auch mein erster allererster Gedanke, der noch im Bauch entstand, bevor ich dann das Menü genauer studiert habe.

Ich denke, dass das Menü einfach extrem kompliziert ist. Man muss sich überlegen, was der Sensor in welcher Lichtsituation „denkt“ und wie er dann das Fahrlicht steuert. Das ist umständlich, man muss auf dem Weg zwei Mal umdenken.

Viel einfacher wäre es, wenn das Menü und seine Optionen bspw. so heißen würden:

Fahrlichtaktivierung bei
Hellem Tageslicht
Normalem Tageslicht
Dämmrigem Tageslicht
Sehr wenig Tageslicht

Das ist vielleicht auch noch nicht optimal, aber es lässt den Nutzer einfach aus Abstufungen einer Kategorie auswählen, die er ohnehin im Kopf hat.

Usability ist eine trickreiche Sache, und jedenfalls sollte man sie nicht von Ingenieuren gestalten lassen, die wie Ingenieure denken.

Ich las, sah, hörte: Medien im Juni 2016

Bücher

Thomas Glavinic: Der Jonas-Komplex

Glavinic fällt gleich mit der Tür ins Haus und zählt im ersten Absatz auf, wie viele Personen jeder von uns ist, nämlich drei:

Erstens die, die er ist, zweitens die, die er zu sein glaubt, und drittens die, für die ihn die anderen halten sollen.

Und so treten in diesem Buch auch drei Hauptpersonen auf: Ein Ich-Erzähler, der viel mit dem erwachsenen Thomas Glavinic gemeinsam hat. Ein Ich-Erzähler, der viel mit dem pubertierenden Thomas Glavinic gemeinsam hat. Und Jonas, die Hauptfigur aus mehreren von Thomas Glavinics Büchern, unter anderem dem letzten. Ob das die drei Personenen sind, in die „Thomas Glavinic“ zerfällt, lässt Glavinic offen, aber der Gedanke liegt natürlich nahe. Ist er der ständig masturbierende jugendliche Schachmeister? Sieht er sich als die erwachsene Koksnase? Und sollen ihn die anderen für Jonas halten, den unerschöpflich reichen, mutigen Abenteurer mit der wunderschönen Freundin?

Jedenfalls erzählt Glavinic Episoden aus den Leben dieser drei Figuren. Und das ist auch das einzige, was ich diesem Buch vorwerfen muss: Es bleibt zu sehr im Episodischen, die großen Linien fehlen, auf jeden Fall hat das Buch zu viele Seiten für diese Erzählweise. Jedes einzelne der kurzen Kapitel ist sehr unterhaltsam, gut geschrieben und hinterlässt ein Bild. Aber dann kommt schon wieder das nächste. Und wieder das nächste. Am Ende finden dann die drei Linien recht nah zueinander, so dass es fast noch ein kleines Finale gibt, aber eben nur fast. Zweihundert Seiten weniger wären auch gegangen.

Doch eins kann man Glavinic nicht vorwerfen: den Leser auch nur eine Sekunde zu langweilen. Da passiert so viel in diesem Buch, es wird gehurt, gesoffen, Menschen werden irgendwo in der Welt ausgesetzt, es wird gewichst, Schach gespielt und Autos werden vor die Wand gesetzt. Nicht alles müsste sein, aber alles macht Spaß. Und am Ende fragt man sich, wie viele man eigentlich selbst ist?

Ich bleibe jedenfalls beinharter Glavinic-Fan!

Heinz Strunk: Der goldene Handschuh

Ein widerwärtiges Buch. Aber das will es auch sein. Auf jeder Seite springen einen Kotze, Scheiße, Pisse, Gestank, Vaginalsekrete, in Richtung höherer Promillewerte überwundene Volltrunkenheit und mindestens völlige menschliche Verdorbenheit an – und dabei geschehen die Morde des Fritz „Fiete“ Honka erst ganz am Ende, wenn einen das Buch so sehr geschafft hat, dass das bisschen Menschenschlachten auch kaum noch eine Steigerung ist. Wahrscheinlich ist das exakt der gewünschte Effekt, und er gelingt. Aber um welchen Preis? Es ist der Preis der vollständigen Erschöpfung auch des zugeneigten Lesers, die dadurch noch verstärkt wird, dass man spürt, dass Strunk das Buch von über 600 geschriebenen auf 250 gedruckte Seiten kondensiert hat. Die entstandene Dichte ist kaum zu ertragen, aber sie sorgt auch dafür, dass ich beim Skippen durch das Hörbuch auf YouTube jeden einzelnen Satz wiedererkannte.

„Der goldene Handschuh“ ist eine Zumutung und kostet viel Überwindung. Ob es sich lohnt, muss jeder Leser für sich entscheiden. Man muss bereit sein, in die tiefsten menschlichen Abgründe zu tauchen. Wer das so intensiv erleben möchte, wie es einem Literatur ermöglicht, der ist hier richtig.

Film

Sicario

Ein großartig gemachter Film, dem allerdings der Blick für eine politische Einordnung seiner Geschichte fehlt. Die Charaktere sind jedenfalls zu unveränderlich, als dass ihre Geschichte den Film tragen könnte. Dennoch war ich begeistert, denn in einem der DVD-Extras erklärt der Regisseur, dass er so dokumentarisch sein wollte, wie es geht, ohne wirklich einen Dokumentarfilm zu machen. Das ist ihm gelungen.

Erzählt wird die Geschichte der amerikanischen Bundespolizistin Kate Macer, die in eine Spezialeinheit versetzt wird, die gegen die mexikanische Drogenmafia kämpft. Die Methoden dieser Spezialeinheit findet Macer zweifelhaft, schon bevor sie entdeckt, dass einer ihrer Kollegen noch eine persönliche Agenda verfolgt.

Was den Film so sehenswert macht, sind seine Machart und die Spannung. Die Kamera ist so nah an der Handlung, die Sets wirken so echt, die Atmosphäre ist so greifbar, dass dagegen selbst Black Hawk Down oder The Hurt Locker zurück stehen können. Besonders die Kontraste von extremer Nähe, wenn die Kamera im Auto mit durch Juarez rast, und von extremer Weite, wenn dann Luftaufnahmen den Konvoi zeigen, wie er durch die Landschaft und durch die Stadt fährt, funktionieren extrem gut. Regisseur Denis Villeneuve sagt auch, dass er die Landschaft zu einer eigenen Figur des Films machen wollte. Das ist ihm herausragend gelungen.

Ein sehr sehenswerter Film ohne große Moral. Aber vielleicht ist genau das seine Aussage zu diesem seit Jahrzehnten tobenden „Krieg gegen die Drogen“?

Musik

BRKN: Kauft meine Liebe

Andac Berkan Akbiyik, kurz BRKN, hat eine extrem unterhaltsame, deutschsprachige R’n’B-Platte herausgebracht. Besonders charmant ist der konstante Kontrast aus der Sprache und den Themen eines Berliner Vorort-Checkers und der Selbstironie und -reflexion, die die Texte haben. Dazu gute, beschwingte, abwechslungsreiche Melodien, fertig ist die Partyplatte des Jahres. Auf der Bonus-CD „L’Acoustique“ werden zwei Dinge klar: Wie gut die Songs sind, und wie gut die nicht-akustischen Versionen produziert sind – was doppeltes Lob für dieselbe Person ist, denn Berkan hat die Platte quasi im Alleingang gebastelt, inklusive Produktion. Maximale Kaufempfehlung.

Band of Skulls: By Default

Gute Rockplatte, die ihre Wirkung erst nach einem paar Mal Hören entfaltet. Die Melodien von Band of Skulls sind nicht-trivial, krallen sich dann aber umso tiefer ins Mittelohr. Hebt aber letztlich auch nicht entscheidend von vielen anderen guten Rockplatten ab und ist von den Jahres-Top-10 wahrscheinlich doch weiter entfernt, als es die Intro suggerierte.

Dam-Funk: DJ-KICKS

Finde ich, als großer Fan und Alleskäufer der DJ-KICKS-Serie, irgendwie nur mittelmäßig. Dam-Funk springt auf den 80ies-Zug auf, aber etwas zu spät und mit zu mittelmäßigen Stücken. Das ist mir alles zu ausgesucht, zu gewollt offstream, reißt mich einfach nicht mit.

Apple TV: Intuition und Gewöhnung sind nicht dasselbe

Ich besitze seit zwei Wochen ein Apple TV 4. Und mal wieder mache ich die Erfahrung, dass die regelmäßig so hoch gelobte Intuitivität der Apple-Benutzeroberflächen ein reiner Mythos ist. Stattdessen handelt es sich um schlichte Gewöhnung an frei aus der Luft gegriffene Benutzungsmetaphern.

Drei Beispiele:

Wie schaltet man Apple TV aus?
an-aus-icon
Es gibt jedenfalls keinen An/Aus-Knopf, wie man ihn von zahllosen Geräten kennt (s. links). Stattdessen muss man lange den Home-Button drücken (s. Abbildung unten), mit dem man bei normaler Benutzung zum Homescreen kommt. Es erscheint dann eine Lightbox mit der Möglichkeit, Apple TV in den Ruhezustand zu versetzen. Ich habe das erst nach einem Blick in die Bedienungsanleitung rausgefunden.

Wie löscht man eine App?
Um eine einmal installierte App wieder zu löschen, muss man die App zunächst per Long Click fokussieren, wie zum Verschieben. Das kennt man immerhin schon von Apple-Telefonen und Tablets. Anschließend muss man nicht etwa die Menü-Taste drücken, um ein Zusatzmenü mit Optionen aufzurufen, wie ich es vermutet hatte. Sondern man muss den Play/Pause-Button drücken! Das wird zwar klein unten auf dem Bildschirm eingeblendet, ist aber dennoch weit von irgendeiner Intuition entfernt.

Wie navigiere ich zurück? Und wie rufe ich das App-Menü auf?
Um auf den letzten Bildschirm zurück zu navigieren, muss man auf der Fernbedienung die Menü-Taste drücken. Immerhin ist das die Taste links oben, also tatsächlich noch halbwegs natürlich. Aber auf der Taste steht „Menu“, und ich habe zum einen gezögert, ob ich das jetzt tatsächlich tun soll? Zum anderen macht die Taste in vielen Zuständen einer App einfach nicht das, was drauf steht, nämlich ein Menü aufzurufen. Stattdessen bringt sie mich eben einen Screen zurück. Ins Menü komme ich dagegen, indem ich auf dem Touchpad der Fernbedienung von oben nach unten wische – meistens jedenfalls.

Mir scheint insgesamt der löbliche Wille zur Vereinfachung weit über’s Ziel hinaus geschossen zu sein. Man muss ja nicht gleich eine Fernbedienung mit tausend Knöpfen gestalten. Aber das Doppelbelegen von Knöpfen führt zu einer Modalität, die nicht sinnvoll ist: Buttons führen in einem Zustand der App oder der Benutzung eine bestimmte Funktion aus, in einem anderen Modus aber dann wieder eine andere. Das ist einfach nur verwirrend. Gewöhnen tut man sich auch an den größten Usability-Dreck. Aber nur bei Apple nennt man diese Gewöhnung Intuition.

 

Fernbedienung von Apple TV 4
Fernbedienung von Apple TV 4