Medien im April 2016

Bücher

William Eggleston’s Guide

Ein grandioser, lange vergriffener, jetzt wieder verfügbarer Band eines der Pioniere der Farbfotografie. Das Vorwort ist sehr interessant, weil ich die Probleme, die sich nach der Erfindung der Farbfotografie für die Fotografen stellten und die hier geschildert werden, heute kaum noch nachvollziehen kann. Man sah sich der Herausforderung gegenüber, dass ein Himmel blau ist, dass das Blau im Bild aber kein Selbstzweck sein, sondern eben ganz natürlich zum Himmel gehören sollte. Ich kann zwar verstehen, dass Fotografen, deren Blick für Schwarzweiß-Bilder geschult war, erst mal umlernen mussten. Aber Bilder in Farbe zu haben, war kunstgeschichtlich ja nichts grundsätzlich Neues, schließlich wurden Bilder seit Jahrhunderten in Farbe gemalt.

Jedenfalls macht William Eggleston in diesem Band vor, wie Farbe in der Gestaltung von Fotografien eingesetzt werden kann, und er tut das so meisterhaft, dass der Ruf dieses Buchs kein bisschen übertrieben ist. Egglestons Motive sind oft banal oder sogar belanglos: Es geht um die Farbe. Aber natürlich zeigte auch die Wahl der Motive eine Haltung, die er bspw. mit Stephen Shore gemeinsam hatte, und die den Weg für die moderne, künslerische Fotografie ebnete.

Ein weiterer Grund, diesen Band zu erwerben, ist, seine großartige Machart: Das Papier ist sehr hochwertig, die Fotos wurden alle neu von den Negativen eingescannt, und der Einband ist ein kleines, leicht cheesiges Kunswerk aus Lederstruktur, einem aufgeklebten Foto und dem goldgeprägten Titel. Großartig!

Traumschönes Cover: Lederstruktur, Goldprägung und aufgeklebtes Foto! #eggleston

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Film/TV/Serie

American Crime Story, Season 1: The People vs. O.J. Simpson

Eine okaye Nacherzählung des OJ-Simpson-Gerichtsprozesses. Die Serie bezieht ihre Spannung aus dem unfassbaren Verlauf der Handlung, für die sie aber ja nichts kann. Die Machart ist sehr konventionell, die schauspielerischen Leistungen sind wechselhaft: Sarah Paulson als Staatsanwältin Marcia Clark ist großartig, Kenneth Choi als Richter Ito und Cuba Gooding Jr. als OJ sind in Ordnung, John Travolta gibt den Verteidiger Robert Shapiro als grimassierende Knallcharge. Ich war in den Details des Falls nicht mehr drin, so dass sich die Serie für mich gelohnt hat. Wenn man sich für die Sache nicht so interessiert, kann man sich auch die Serie sparen.

The Walking Dead, Season 6.2

Die zweite Hälfte der Staffel war etwas besser als die erste, Aber die letzte Folge riss mit dem Arsch ein, was die Serie sich bis dahin an Kredit wieder erarbeitet hatte. Die war nämlich unglaublich zäh, gestreckt. Besonders die abschließende Rede, mit der der neue Oberbösewicht Negan eingeführt wird, will nicht enden. Das hätte jeder James-Bond-Bösewicht kürzer gemacht. Natürlich werde ich Staffel 7 wieder einschalten, aber wenn es so weitergeht wie jetzt, dann sehe ich mein Interesse schwinden.

Fear The Walking Dead, Staffel 2, Folge 1

Weiter als bis zur ersten Folge der zweiten Staffel habe ich es nicht geschaft. Das ist alles fürchterlich uninspiriert und interessiert mich nicht die Bohne. Insbesondere haben es die Macher nicht geschafft, dass ich, obwohl ich die komplette erste Staffel gesehen habe, auch nur mit einer einzigen Figur mitfühle. Die gehen mir alle komplett am Arsch vorbei, ich erkenne sie nicht mal wieder, so farblos sind sie.

Ex-Machina

Großartiger Film, wenn auch mit etwas vorhersehbarer Story. Das ist aber egal, weil der Film eine tolle Atmosphäre transportiert, seine Visual Effects sparsam und sinnvoll einsetzt und durch ihre Perfektion nicht in den Vordergrund stellt. Wie Alicia Vikander einen Roboter mit menschlichem Bewusstsein entstehen lässt, ist sehr beeindruckend. Es sind nur ganz kleine Bewegungen, nur Andeutungen, mit denen sie Ava vom vollends Menschlichen distanziert. Sehr sehenswert!

Musik

Jonathan Richman & The Modern Lovers: The Beserkley Collection

Ich kannte Jonathan Richman nicht, obwohl mir der „Egyptian Reggae“ natürlich geläufig war. Aber was für ein großartiger Künstler da bisher an mir vorbei gegangen war, wurde mir erst klar, als ich „Dodge Veg-O-Matic“ hörte: Da war ein Song, der ganz offensichtlich den großartigen, von mir sehr geschätzten Violent Femmes für eine ganze Karriere reichte. Richman aber ist viel breiter aufgestellt, begann unter dem Einfluss der Velvet Underground, machte kindliche Lieder und Texte („Ice Cream Man„) und begründete den Anti-Folk. Ich bin sehr froh, Richman jetzt auch zu kennen!

Masha Qrella: Keys

Eine ganz, ganz tolle Pop-Platte!

Diverse: The Ladies of Too Slow To Disco

Ist mir egal, ob Ladies oder Gentlemen singen, aber die „Too Slow To Disco“-Serie trägt auch in der dritten Ausgabe und kann von mir aus noch lange so weitergehen!

Udo Lindenberg: Ball Pompös

Nachdem die Liebste Udo Lindenberg entdeckt und begeistert in ihr Leben aufgenommen hat, habe auch ich ein paar frühe Platten von Udo studiert. Bisher besaß ich persönlich nur die „Intensivstationen“ und liebe sie bis heute. Die „Ball Pompös“ steht jetzt gleichrangig daneben. Was für ein großartiger Texter Lindenberg ist, merkt man vor allem dann, wenn er ernste Themen beschreibt: „Leider nur ein Vakuum“ kann mich fast zu Tränen rühren. Lindenberg braucht nur ein paar Zeilen, um die ganze Leere einer gescheiterten Existenz zu beschreiben, und das Bild von den „schnellen Stiefeln“ hakt sich sofort für immer in eine Kleinhirnwindung ein.

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