Kurz reingeschaut: „Geschichten aus dem Wienerwald“ im Schauspielhaus Köln (2015)

Die kleinbürgerliche Welt ist eine Scheibe, und die ist in Köln parkettiert und dreht sich gelegentlich. Dann geraten die Figuren in Gang, um ihre Positionen zu halten – aber auch nur dann. Ansonsten bewegen sich die Charaktere in Stefans Bachmanns Inszenierung der „Geschichten aus dem Wienerwald“ nicht: Sie sind vom ersten Moment der Inszenierung an festgelegt auf ihre äußerlich wie innerlich überzeichneten Eigenschaften. Die Bühne ist bis auf die große Scheibe komplett leer, die Seelen der Figuren sind es auch.

Nur Marianne, die ihrem Verlobten fremdgeht und das so gezeugte Kind dann gegen den Willen der Familie doch bekommt und sogar liebt, zeigt ein paar menschliche Regungen. Der Rest des Personals agiert fast roboterhaft, immergleich, auch durch die manchmal etwas albernen Bewegungsmuster stark typologisiert.

Und die Inszenierung geht vom ersten Moment an weiter, immer weiter. Es gibt keine besonderen dramatischen Höhen oder Tiefen, immer quasselt irgendjemand, stille Momente oder besondere Ausbrüche gibt es fast keine, und so fehlte mir ein Spannungsbogen oder irgendetwas, das gestern Abend meine Aufmerksamkeit gefesselt hätte.

Am Ende war mir das zu scherenschnittartig. Ich verstehe, was der Regisseur mir sagen möchte – aber dafür reichten mir die ersten 15 Minuten. Die restlichen zwei Stunden empfand ich als ständige Wiederholung.

Ich fand die Inszenierung enttäuschend, bin mit dieser Ansicht aber anscheinend allein in einem exklusiven Club mit der FAZ: Die Nachtkritik-Seite zum Stück inklusive Überblick der Feuilletons.

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