Wie der Mindestlohn tatsächlich die Pressefreiheit gefährdet

In diesen Tagen wird meine Zeitung morgens sehr unregelmäßig geliefert. In den vergangenen zwei Wochen war sie fünf Mal nicht um 7 Uhr im Briefkasten, wie es die Norm sein sollte. Heute scheint sie überhaupt nicht zu kommen. Ich bin nach mehreren Reklamationen kurz davor, dem Süddeutschen Verlag mit der Kündigung zu drohen: Ich brauche keine Zeitung, die ich abends bekomme; ich will sie morgens in der Bahn lesen. Außerdem ist es schlicht und einfach Vertragsinhalt, dass die Zeitung um 7 da ist. Ich zahle dafür und will die Gegenleistung auch bekommen.

Auf meiner samstäglichen Morgenrunde mit dem Hund, heute etwas später, gegen 10:30 Uhr, traf ich zufällig den Zeitungsboten. Ich quatschte ihn an, ob er tatsächlich jetzt erst die Zeitungen bringe? Er antwortete ja, offensichtlich schon. Ich: Sie waren in den vergangenen Tagen auch häufiger mal spät dran, oder? Er: Ja, ich weiß, das liegt daran, dass wir wegen dem Mindestlohn keine Leute mehr finden und deshalb total unterbesetzt sind. Sobald es irgendein Problem gibt, mal jemand krank wird, kann niemand mehr einspringen. Ich musste letztens an einem Tag drei Touren machen.

Ich verstand erst gar nicht, was das mit dem Mindestlohn zu tun haben sollte. Bis er meinte: Die Merkel war deswegen ja extra vier Mal bei Dumont.

Stimmt, dämmerte es mir – weil die Verleger massiv dafür lobbyiert hatten, dass am Ende die Zeitungsboten noch für einige Zeit vom Mindestlohn ausgenommen wurden! Weil es, so die Drohung, die Pressefreiheit gefährden würde, wenn die Zeitungsverleger ihren Boten den Mindestlohn zahlen und deswegen ihre Publikationen verteuern müssten.

Tatsächlich ist es jetzt exakt umgekehrt: Menschen, die sich für niedrig qualifizierte Arbeit interessieren, machen einen Bogen um Zeitungsboten-Jobs, weil sie anderswo den Mindestlohn bekommen, dort aber nicht. Und so müssen die Verleger ihre Publikationen nicht verteuern, bekommen sie aber nicht mehr zu ihren treuesten Kunden: den Abonnenten.

Über das Eigentor-Desaster mit dem Leistungsschutzrecht wurde in den letzten Tagen ja ausführlich berichtet. Und beim Mindestlohn nimmt nun dasselbe Elend seinen Lauf: Lange haben die Zeitungsverleger gekämpft, die Kanzlerin persönlich überzeugt, und ihr Ziel erreicht, die Zeitungsboten vom Mindestlohn auszunehmen. Und nun stellt sich heraus, dass diese Maßnahme präzise kontraproduktiv ist.

Und wenn man mal ganz kurz scharf hindenkt, dann meint man fast, dass man darauf auch vorher hätte kommen können.

Wer auch immer die deutschen Zeitungsverleger berät, der müsste sich so langsam auf Schadenersatzklagen einstellen.

Fortuna Köln – Hansa Rostock 1-0 (1-0)

Da ich heute keine Zeit für einen ausführlichen Bericht habe, nur ein paar unsortierte Beobachtungen zum gestrigen Sieg der Fortuna über Hansa Rostock:

  • Die Mannschaft hat endlich das Selbstvertrauen wiedergefunden, das ihr quasi mit der Auftaktniederlage in Großaspach verloren gegangen war. Da sind wieder Druck und Zug nach vorne, da ist auch wieder die Durchschlagskraft, das ist vor allem auch wieder Mut.
  • Es werden Gegner kommen, gegen die diese Mannschaft weniger Chancen hat als gegen die vor allem in Halbzeit 2 doch recht schwachen Rostocker. Aber dann erinnert sie sich hoffentlich an die letzten drei Spiele und weiß, dass sie in dieser Liga bestehen kann, auch wenn das zu Beginn der Saison noch nicht ganz klar war.
  • Die Wende zum Besseren im bisherigen Saisonverlauf kam aus meiner Sicht mit einem Spieler, dessen Spiel vielleicht etwas weniger auffällt: Markus Pazurek. Er brachte auf der Sechserposition die Stabilität ins Mittelfeld, die sowohl defensiv wie auch offensiv gebraucht wird, um ein Spiel kontrolliert aufziehen zu können.
  • Ich hätte vor Saisonbeginn niemals gedacht, dass ausgerechnet die Defensive uns die Ergebnisse bringt. Nur vier Mannschaften in der Liga haben weniger Tore kassiert als die Fortuna, davon wiederum zwei nur ein einziges weniger.
  • Umgekehrt hat aber auch jede Mannschaft in der Liga mehr Tore geschossen als Fortuna, bis auf eine, die gleich viele hat. Das Spiel gestern hätte diese Statistik unbedingt ändern müssen, drei Tore hätte da unbedingt heraus springen müssen.
  • So sehr ich Thomas Kraus und seinen unermüdlichen Einsatz mag: Als Anspiel- und Ablegestation für lange Bälle konnte mich Kialka in den letzten Spielen mehr überzeugen. Kraus springen die Bälle oft zu weit weg, seine Ablagen sind zu ungenau. Sehr schade, dass Kialka verletzt ist.
  • Johannes Rahn ist ein begnadeter Techniker. Aber das darf er bitte auf gar keinen Fall lesen, sonst versucht er wahrscheinlich demnächst, sich noch nach dem Spiel bin in die Kabine zu fummeln. Gib mal ab, Johannes! Die anderen wollen auch mitspielen, und du musst die Viererkette gar nicht alleine ausspielen, jedenfalls nicht jeden einzelnen von denen.
  • Kusi Kwame hat sich für mich auf rechts hinten erst mal festgespielt. Gegen stärkere Stürmer als die aus den letzten Spielen wird er wieder seine Probleme haben, und die Position ist weiterhin unsere am schwächsten besetzte. Aber aus dem Trio Sievers, Engelmann und Kwame ist er der stabilste dort. Wenn Zinke zurück kommt, wäre Pazurek eventuell noch eine Alternative.
  • Sehr gute Leistung der Innenverteidigung!
  • Schwacher Schiedsrichter, bei dem ich am Anfang den Eindruck hatte, dass er ein paar Mal auf Verdacht gepfiffen hat. Kein Blick für’s Spiel, schlechte Zweikampfbewertung, und das nicht nur, weil er das klare Foul beim Konter an Rahn laufen ließ, wo es Freistoß und eventuell sogar Rot hätte geben müssen.

 

Fortuna Köln – SpVgg Unterhaching 2-0 (1-0)

Von den fünf Gegnern, die sich bisher im Südstadion vorstellten, war Haching eindeutig der schwächste. Nicht zuletzt deshalb reichte es für die Fortuna endlich, endlich zum ersten Heimsieg. Nach den gezeigten Leistungen wäre ein Unentschieden auch vertretbar gewesen, andererseits hatte Fortuna auch nach besseren Leistungen schon die Punkte liegen lassen,  in gewisser Hinsicht also ausgleichende Ungerechtigkeit.

Südstadion

Gleich fünf Wechsel hatte Uwe Koschinat gegenüber der Niederlage bei den Kickers vorgenommen, und die meisten fruchteten. Insbesondere Markus Pazurek brachte als Sechser mehr Stabilität ins Defensivverhalten, wo die Kombination aus Andersen und Marquet zuletzt doch hauptsächlich nach vorne gedacht hatte. Thiemo-Jerome Kialka belebte das Offensivspiel, obwohl er keine große Torgefahr ausstrahlte, sich aber gut bewegte und einige gute Ablagen zeigte.

Rechts hinten durfte sich nach Sievers und Kwame zum ersten Mal Dennis Engelmann versuchen, 19 Jahre, aus der A-Jugend von Bayer Leverkusen ausgeliehen. Leider blieb sein Auftritt genauso erfolgsarm wie die seiner beiden Vorgänger. Diese Position bleibt aus meiner Sicht die größte Baustelle im Kader, die auch durch die Rückkehr der verletzten Spieler nicht geschlossen werden wird. Mehrere Male ließ Engelmann seine Seite sperrangelweit offen stehen, und hatte schon nach zehn Minuten Glück, als sein Gegenspieler auf einmal 40 Meter Feld vor sich hatte, dass der mit seiner Hereingabe nur Uaferro fand.

Dennis Engelmann

Das wiederum war nicht nur Zufall, denn Boné Uaferro war gestern der beste Mann auf dem Feld: Wie ein Turm stand er in der zentralen Defensive, wie ein magnetischer Turm obendrein. Er schien die Bälle anzuziehen und entschied sich dann immer richtig, entweder unter Druck für den klaren Befreiungsschlag, oder mit einem bisschen Zeit für den klugen und präzisen Kurzpass. Herausragend!

Offensiv war Kialka bemüht und quirlig, genauso wie Kessel, dem aber wenig Durchschlagendes gelang und der zurecht ausgewechselt wurde. Cauly Souza zeigte eine solide Leistung. Wenn auch noch Johannes Rahn einen guten Tag erwischt hätte, dann hätte das Spiel früher entschieden sein können. Rahn erzielte zwar den Führungstreffer, aber sonst gelang ihm nicht viel, inbesondere mit dem Rücken zum Tor misslangen ihm Ablagen auf Mitspieler in Serie.

So gehörte der Fortuna die erste Halbzeit, nachdem sie die Anfangsphase überstanden hatte und später ein Hachinger Kopfball nach einem Freistoß aus dem Halbfeld nur auf die Latte getropft war.

Ups, der war auf der Latte

Nach dem Köln Führungstreffer kam Haching phasenweise kaum aus der Abwehr heraus, die abgewehrten Bälle landeten postwendend wieder bei der Fortuna, die zu diesem Zeitpunkt druckvoll nach vorne spielte den Sack schon hätte zumachen können.

Mit der Einwechslung von Sascha Bigalke allerdings bekam Haching nach der Halbzeit den Spielverlauf weitgehend in den Griff. Es schien manchmal so, als hätten die Mannschaften in der Pause nur die Trikots getauscht. Doch wer bei einem Konter selbst einen ordentlichen Querpass nicht im leeren Tor unterbringen kann, sondern nur ans Außennetz setzt, der kassiert dann nach alter Fußballerregel selbst das Tor: Ein sehr weiter Abschlag von Poggenborg (insgesamt verbessert!) landete Mitte der gegnerischen Hälfte bei Dahmani, der schlug eine wolkenhohe Bogenlampe über den Torwart hinweg, und der Hachinger Verteidiger versuchte gar nicht erst nicht, den herabfallenden Ball zu erwischen, sondern stellte sich auf die Linie und überließ das Thomas Kraus, der ihn im Netz unterbrachte.

Dieser Sieg war nicht unvermeidlich, aber nach einigen Enttäuschungen der letzten Wochen auch nicht unverdient. Hoffentlich geben die Punkte der Mannschaft Auftrieb. Die Geschlossenheit stimmte jedenfalls wieder einmal. Es werden aber auch wieder Gegner kommen, die besser Fußball spielen. Am kommenden Wochenende in Dortmund jedoch scheint es den bisherigen Ergebnissen zufolge eine erkennbare Chance zu geben, den nächsten Schritt aus dem Keller zu tun.

Spielbericht des BR: http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/blickpunkt-sport/spvgg-unterhaching-der-favorit-strauchelt-beim-aufsteiger-100.html

Alle meine Fotos vom Spiel: https://www.flickr.com/photos/surfguard/archives/date-posted/2014/09/14/

Fortuna Köln - SpVgg Unterhaching

Konsequente Blockbildung in der Auswärtskurve

Klaus Ulonska, drei Punkte im Blick

Fortuna Köln – VfL Osnabrück 0-1 (0-0)

Ich habe gestern Abend lieber nichts geschrieben, da war ich viel zu enttäuscht. Nicht sauer, einfach nur sehr, sehr enttäuscht. Und da ich heute auch keine Zeit für einen längeren Bericht habe, kurz ein paar Beobachtungen:

  • Kämpferisch hat mich die Mannschaft überzeugt. Sie gibt nie auf, wirft sich bis zum Schluss rein.
  • Der große Unterschied, der sich gestern auftat, war auch nicht die Spielanlage: Die der Fortuna ist in der 3. Liga genauso gut wie in der Regionalliga.
  • Aber in Sachen Ballbehandlung habe ich gestern einen Klassenunterschied zu Osnabrück gesehen. Wenn ich sehe, wie Osnabrücker hart aus dem Strafraum geschlagene Bälle an der Außenlinie mit der Brust annehmen und dann sofort weiterverarbeiten, dann ist das einfach meilenweit von fast allen Kickern der Fortuna entfernt. Lediglich Andersen und Rahn konnten in dieser Hinsicht mithalten.
  • Körperlich war Fortuna auch noch keiner Mannschaft überlegen, auch gestern nicht dem VfL.
  • Das logische Resultat sind dann häufige Ballverluste. In der Regionalliga hast du eben die halbe Sekunde mehr Zeit bei der Ballannahme. In dieser Liga müsste man die Zeit mit besserer Technik rausholen, aber das können die Spieler der Fortuna nicht.
  • Rahn ist für mich ein großer Lichtblick. Er versucht manchmal noch zu viel, mit dem Kopf voraus durch fünf Spieler durch geht selten gut. Aber er gewinnt die Mehrzahl seiner Kopfbälle auf dem rechten Flügel, wenn er in die langen Bälle springt. Und mit dem Fuß: s.o.
  • Der Elfmeter war absolut gerechtfertigt: Hörnig trat dem Osnabrücker gegen den Außenrist.
  • Schön zu sehen, dass Souza gleich Verantwortung übernahm. Aber ganz ehrlich: Wenn ich schon jeden ruhenden Ball trete, dann dürfen die auch ein bisschen schärfer in den Strafraum kommen. Über hohe, weite, weiche Bälle lacht doch jeder Innenverteidiger. Dennoch ein Auftritt, der Mut macht.
  • Die Strafraumbeherrschung des Osnabrücker Torwarts fand ich überragend. Schade, dass Fortuna seinen einzigen Klops, als er den Ball fast unbedrängt fallen ließ, nicht ausnutzen konnte. Aber kurz vor Schluss gab es eine Szene, wo er zuerst nur noch knapp mit der Hand an eine weite Flanke kam – und eine Sekunde später schon wieder den Nachschuss abwehrte, weil er durch das Strafraumgetümmel etwas aus dem Tor gerückt war. Unglaublich handlungsschnell.
  • Nachdem ich gestern Abend wirklich sehr deprimiert war, weil mir meine Mannschaft vollständig chancenlos erschien, kann ich heute auch sehen: Selbst solche Spiele gestaltet die Fortuna knapp, hat bis zum Schluss die Möglichkeit zu punkten und setzt alles daran, das auch zu tun.
  • Zum untersten Rand des Punktesolls fehlt nur ein Sieg im nächsten Spiel, dann wären es gleich viele Punkte wie Spiele. Das wird auf Dauer nicht ganz zum Klassenerhalt reichen, aber letzte Saison hätten 41 Punkte aus 38 Spielen genügt.

Nach sieben Jahren, in denen wir in unserer jeweiligen Liga immer mindestens mithalten konnten, meist sogar um die Spitze spielten, fühlt sich Abstiegskampf etwas ungewohnt an. Aber komm ruhig her, du blöde Sau!

Fortuna Köln – Chemnitzer FC 1-2 (0-0)

Kaum zu glauben, dass die Fortuna dieses Spiel nicht gewann. Nach der ersten Halbzeit hätte schon alles klar sein müssen, doch in der Viertelstunde nach der Pause gab die Fortuna das Spiel aus der Hand – leider wieder durch Fehler, die nicht passieren mussten.

Auflaufen der Mannschaften

Uwe Koschinat vertraute der Elf, die in Halle unter der Woche den ersten Saisonsieg geholt hatte – inklusive zu Beginn wieder einem Spezialeinsatz für Nullnull Kwame: Der tanzte in den ersten 20 Minuten mit Lais, der Chemnitzer Nummer 6, den Paso Doble, machte dann einen Partnertausch und blieb fortan bei Mauersberger, bevor er schon vor der Pause auf die mannungebundene 6er-Rolle wechselte. Mauersberger blieb ohnehin in der Kabine, so dass Kwame mit Hörnig die Doppelsechs bilden konnte. Durch die Manndeckung der gegnerischen 6 wurde Kwame zuvor zwangsläufig oft auf die 10er-Position gezogen, Dahmani stand dann tiefer.

Kusi Kwame mit seinem Bewachungsobjekt

Der Schreckmoment der ersten Halbzeit kam gleich zu Beginn, als Uaferro (?) einen Ball auf’s eigene Tor köpfte, den Poggenborg jedoch noch fischen konnte. Anschließend spielte 45 Minuten lang fast nur noch die Fortuna. Chemnitz ließ zwar erkennen, mit welchem Spiel sie die Ligaspitze erobert hatten, aber die Steilpässe auf die schnellen Spitzen kamen nicht an oder wurden oft gut verteidigt.

Die Fortuna hingegen zeigte endlich das Spiel, mit dem sie letztes Jahr die Regionalliga dominiert hatte: Klares, geradliniges Spiel in die Spitze, oft mit Kopfballverlängerungen den rechten Flügel hinunter. Zwei Großchancen spielte sich die Mannschaft neben einigen kleineren heraus: Michael Kessel konnte einen guten, im Strafraum von einem Mitspieler noch durchgelassenen Querpass nicht scharf und oder platziert genug auf’s Tor bringen, so dass der Chemnitzer Torwart noch halten konnte. Und Johannes Rahn zeigte nicht nur in der folgenden Szene seine großen fußballerischen Qualitäten: Alleine tanzte er vier Chemnitzer aus, zielte auf die lange Ecke und scheiterte nur am Pfosten.

Die Führung hätte fallen müssen, denn die Fortuna hatte dieses Spiel komplett im Griff, war die klar bessere Mannschaft.

Fortuna Köln - Chemnitzer FC

Doch nach der Pause zeigte dann Chemnitz, wie man es macht: Zunächst durfte Michael Kessel sich ansehen, wie man einen Querpass aus nahezu identischer Position platziert einschießt: 1-0 für Chemnitz, nachdem zuvor, wie schon letzte Woche, Hörnig einen defensiven Zweikampf vor dem eigenen Strafraum verloren und den Pass auf halbrechts nicht hatte verhindern können.

Gästejubel nach dem 0-1

Nur neun Minuten später dann der spielentscheidende Aussetzer von Bone Uaferro: Einen eigentlich abgefangenen Ball ließ er zu hoch vom Kopf (nicht vom Fuß, wie ich es aus der Distanz zunächst gesehen hatte) springen, so dass ein gegnerischer Stürmer ihn erobern konnte, nur um sich gleich wieder von Uaferro elfmeterreif legen zu lassen: 2-0 für den CFC.

Uaferro nach seinem Foul zum Elfmeter

Elfmeter für Chemnitz zum 0-2

Sofort im Anschluss bekam die Fortuna das Spiel wieder in den Griff, drängte nach vorne, kam aber nur noch zum Anschluss durch den eingewechselten Aydogmus, der den Fuß in einen Bender-Freistoß aus dem Halbfeld bekam.

Aydogmus trifft zum 1-2

In der Schlussminuten konnte der Chemnitzer Keeper dann noch einen Kopfball aus kurzer Distanz halten. Das Unentschieden wäre nach Spielanteilen und Torchancen hoch verdient gewesen, aber am Ende gewann die Mannschaft, die ihre Chancen nutzte. Nach einer sehr guten Leistung über 75 Minuten bitter für die Fortuna, aber auf diese Leistung kann man aufbauen und würde, falls sie sich stabilisieren lässt, mit dem Abstieg wohl nichts zu tun haben.

Eine Einzelkritik:

  • Poggenborg: Auf der Linie und auch bei Flanken/Ecken gewohnt sicher. Aber sein Spiel mit dem Fuß muss bitte möglichst schnell um einiges besser werden. Was er sich in diesem Spiel an schlechten langen Bällen leistete, war wirklich erschreckend. Sowas kann man bitte einfach mal üben.
  • Sievers: Keine gute Leistung, war wiederholt viel zu langsam gegen den allerdings auch pfeilschnellen Ofosu. Die rechte Außenverteidigerposition kristallisiert sich langsam als eine der größten Schwachstellen der Mannschaft heraus.
  • Laux: Solide Leistung, im Zentrum brannte nicht viel an.
  • Bender: Wurde aus mir unklaren Gründen für Laux (verletzt?) eingewechselt, machte einen unsicheren Eindruck im Spielaufbau und spielte einen haarsträubenden Fehlpass in des Gegners Fuß, der zum Glück kein Tor zur Folge hatte. Schlug aber auch den Freistoß zum Tor von Aydogmus.
  • Uaferro: Machte mit seinem Aussetzer zum Elfmeter eine sehr gute ersten Halbzeit zunichte, in der er besonders in der Luft viele Bälle verteidigte.
  • Fink: Machte den Flügel meist ordentlich zu, allerdings fiel das 0-1 über seine Seite. Kam offensiv aber nicht so zur Geltung wie sonst oft.
  • Hörnig: Verlorener Zweikampf vor dem 0-1, fiel ansonsten nicht besonders auf, von ihm kommt nach vorne zu wenig.
  • Kwame: Gute Leistung, leistete sich kaum Fehler, aber auch zu schwach in der Spieleröffnung, immerhin mit soliden kurzen Pässen.
  • Kessel: Ständiger Unruheherd, konnte sich aber nicht entscheidend durchsetzen. Schnelles Passpiel scheint für ihn in dieser Liga angebrachter zu sein als Dribblings, die doch regelmäßig in Ballverlusten enden. Musste laut Stadionsprecher verletzt ausgewechselt werden, hoffentlich nichts Schlimmes.
  • Dahmani: Konnte sich nach vorne zu selten durchsetzen, spielte einmal einen guten Ball auf Rahn, in dessen Schuss der Gegner gerade noch einen Fuß halten konnte.
  • Aydogmus: Bringt weiterhin viel Power, machte sein Tor und hätte fast mit einem Rechtsschuss auf’s kurze Eck ein weiteres erzielt.
  • Rahn: Der Fortuna-Spieler des Tages, war in der Offensive fast allgegenwärtig, über seinen rechten Flügel ging viel, und auch seine Dribblings gelangen meistens. Das Dribbling mit anschließendem Pfostenschuss hätte fast sogar mehr als ein Tor verdient gehabt, erntete aber keines. Dennoch eine absolute Top-Leistung!
  • Kraus: Das weiß man, was man hat.
  • Kialka: Kam spät für Kessel, konnte sich auf links noch ein, zweimal gut durchsetzen.

P.S.: Alle meine Fotos vom Spiel unter https://www.flickr.com/photos/surfguard/archives/date-taken/2014/08/10/

Regen im Südstadion

Nach dem Schlusspfiff

Chemnitz feiert

"Fußball muss bezahlbar sein"

Fortuna Köln – Mainz 05 U23 2-2 (1-1)

Die erste Entscheidung gab es schon vor dem Anpfiff, und es war eine mit den Füßen: Nur 1.650 Zuschauer zum Saisonauftakt im Südstadion, nicht viel für das erste Spiel nach dem Aufstieg, und die weitaus meisten entschieden sich trotz Gewitterwarnung für die günstigeren, unüberdachten Stehplätze in der prallen Sonne. Eine Viertelstunde vor Anpfiff standen noch lange Schlangen vor dem Stehplatz-Einlass, während die Kassen am Haupteingang nahezu verwaist waren – dort gab es wohl nämlich keine Stehplatzkarten mehr.

25 Euro für einen Sitzplatz ist auch wirklich ein Wort. Zusammen mit den 4 Euro für den Schotterparkplatz ergibt sich ein Tarif, zu dem man sich zu zweit im Cinedom einen Film ansehen, überdacht (für 2 € übrigens) parken und sich noch mit Popcorn ausrüsten kann. Kurzentschlossene, die sich vielleicht auch mal ein Drittligaspiel ansehen wollen, kommen da sowieso ins Grübeln. Und auch ich, eigentlich Tribünendauergast, denke darüber nach, ob ich auf den Stehplatz ausweiche.

Eintrittskarte Tribüne im Wert von sagenhaften 25 €

Ob der gestrige Publikumszuspruch repräsentativ für die Saison sein wird, lässt sich allerdings schwer einschätzen: Badewetter in den Schulferien, zu Gast eine miese Zweitvertretung. Da wird mancher lieber an den See gefahren sein oder auf die Gastspiele der Kickers, des MSV, von Preußen, Arminia oder Dynamo warten.

Die nächsten Entscheidungen traf dann Uwe Koschinat schon vor dem Spiel: “Wolverine” Sievers und Sebastian Hörnig rotierten auf die Bank, nachdem sie den Trainer in Großaspach enttäuscht hatten, dafür kamen Kwame rechts hinten und Neuzugang Uaferro als linker Innenverteidiger. Außerdem nahm Hamdienich Dahmani auf der Tribüne Platz: Er sollte Kräfte für die kommende Woche sammeln, ist nach durchgespielter Rückrunde und kurzer Sommerpause wohl noch nicht bei 100%. Für ihn lief Ercan Aydogmus auf, der mit Rahn zusammen die Doppelspitze gab: Poggenborg – Kwame, Laux, Uaferro, Fink – Kraus, Marquet, Andersen, Kessel – Rahn, Aydogmus.

Fortunas Startelf

Defensiv war das ein glasklares 4-4-2 mit zwei schnurgeraden Viererreihen hinter den engagiert forecheckenden Aydogmus und Rahn, gelegentlich von den Außen unterstützt. Offensiv übernahm Marquet den etwas offensiveren Part im Zentrum.

Schlimmerweise musste Marquet schon gegen Ende der ersten Hälfte ausgewechselt werden, nachdem er bei einem Foul wohl einen Bänderriss erlitten hatte. Und nachdem Andersen wegen wieder aufgebrochener Adduktorenprobleme nach 70 Minuten runter musste und sein Einsatz in den kommenden Spielen fraglich ist, ist die Fortuna nun ihres kreativen Zentrums beraubt.

Das könnte sehr, sehr schwer wiegen, denn selbst mit den beiden war das gestern keine überragende Leistung und das Unentschieden leistungsgerecht.

In der ersten Halbzeit fand die Fortuna keinen rechten Zugriff auf das Spiel. Meistens war man einen halben Schritt zu spät oder ließ den Ball bei der Annahme den einen Tacken zu weit vom Fuß wegspringen, der in der Regionalliga vielleicht noch nicht bestraft wird, mit dem man in der 3. Liga aber schnell Probleme bekommt. Und wohlgemerkt: Die ersten Gegner waren die beiden Mitaufsteiger, so dass man von “Lehrgeld” wohl nicht reden kann. Die schweren Gegner kommen erst noch, und zwar spätestens am Sonntag mit dem aktuellen Tabellenführer Chemnitz, der Halle am ersten Spieltag fast chirurgisch ausgekontert hatten.

Dass das Spiel gestern Unentschieden endete, war immerhin den gewohnten Stärken der Mannschaft zu verdanken, nämlich erstens dem einfachen, aber effektiven Spiel: Weiter Einwurf von Andersen, Kopfball Aydogmus, drin das Ding. Und zweitens dem guten Pressing: Kessel stand bereit, als einem Mainzer Innenverteidiger ein Querpass im Spielaufbau zwei Meter zu weit vom Fuß sprang. Er versenkte den Ball nach kurzem Schlenker von der Strafraumgrenze.

Jubel über das 1-0

Jubel über Kessels 2-1

Soweit war das also akzeptabel. Aber Uwe Koschinat hat natürlich recht, wenn er in der Pressekonferenz sagt: Wer in zwei Spielen drei Mal führt, der muss mehr als einen Punkt mitnehmen. Muss.

Dass die Fortuna nicht konnte, was sie musste, deutet auf die Schwachstelle hin: Die Abwehr. Zur Entschuldigung kann nur angeführt werden, dass mit Sebastian Zinke der Sechser fehlt, der normalerweise viel Druck von der letzten Reihe fern hält. Aber beide Mainzer Tore (und auch schon letzte Woche der Siegtreffer von Großaspach) entstanden aus Situationen, in denen die Fortuna am und im Strafraum nicht sauber in den Zweikampf kam. Und bei beiden Toren gestern spielte Kusi Kwame, den ich schon oft lobte, eine schlechte Rolle.

Kusi Kwame

Beim 1-1 verlor er einen Zweikampf, weil er viel zu halbherzig mit dem Kopf in einen brusthohen Ball ging, ihn verfehlte, und der Gegner dann über seine frei gewordene Seite zum Abschluss kam. Beim 2-2 verpasste erst Hörnig die Klärung zentral vor dem Strafraum, die ihm mit mehr Entschlossenheit auch gelingen kann, und dann ließ Kwame seinen Gegenspieler im Rücken weglaufen, kam bei der Klärung zu spät und hackte Ball und Gegner gleichzeitig weg. Ich hatte auch im Stadion gute Sicht auf das Geschehen: ein glasklarer Elfmeter, den Mainz sicher verwandelte.

Der Schiri zeigt auf das Corpus Delicti

Elfmeter für Mainz zum 2-2

Ansonsten hielten sich die Topchancen in etwa die Waage, so dass beide Mannschaften mit einem Punkt gerecht bedient waren.

Ich habe nach dem Spiel Sorge, bin nur beruhigt, dass Uwe Koschinat diese Sorge teilt: So reicht das kaum für die Liga, nicht nur punketechnisch, sondern auch der Leistung nach. Die Mannschaft kann es besser, sie muss es allerdings auch regelmäßig besser abrufen, um die Klasse zu halten. Die rechte Außenverteidigerposition kristallisiert sich als Schwachstelle heraus, für die hoffentlich nicht Thomas Kraus die letzte Lösung ist. Und je nach Verletzungsstand bei Andersen, Marquet, Zinke und immer noch Yilmaz, ist das Zentrum zu schwach besetzt. Und selbst Andre Poggenborg, auf der Linie bestimmt gut genug für die Liga, darf seine Abschläge und auch die Punts nach Rückpässen gerne noch mal üben: Die Bälle dürfen gerne höher und weniger zentral geraten.

P.P.S.: Hier gibt’s die Spielzusammenfassung vom SWR. Und hier alle meine Fotos von gestern.

Nach dem Schlusspfiff

Von der Kunst des Alleinseins, oder: Wie ein paar mehr Burkas den öffentlichen Raum verbessern würden

Ich blogge seit einiger Zeit auch deshalb so wenig bis gar nicht mehr, weil das, was ich sagen möchte, nach ein paar Stunden oder Tagen schon jemand anders aufgeschrieben hat und ich dann nur noch den Link twittern muss.

Ähnlich geht es mir mit dem (prinzipiell erfreulich differenzierten) Artikel von Johan Schloemann gestern in der Süddeutschen Zeitung, in dem er sich mit dem Burka-Urteil des EuGH auseinandersetzt. Die Argumente für das Burkaverbot, die Schloemann entgegen seiner eigentlichen Überzeugung vorträgt, halte ich für wenig tragfähig. Und so geht es auch Maximilian Steinbeis, der in Schloemanns Artikel ausdrücklich erwähnt wird und nun im Verfassungsblog antwortet: “Ich darf für mich sein. Ihr müsst das aushalten.

Ich möchte zu Maxmilian Steinbeis’ Ausführungen nur einen Lesetipp ergänzen, der mir in solchen Zusammenhängen immer wieder einfällt: Jonathan Franzens wunderbares Buch “How to be alone”. Franzen fügte der Privacy-Diskussion schon 2002 einen sehr wichtigen Aspekt hinzu:

Franzen is chief mourner for the loss of public space. He sees American – our – culture not as a place in which privacy has been eclipsed, but as an arena in which it has exploded to fill every civilised area: an autocracy of confession and emotion. ‘Privacy is protected as both a commodity and a right; public forums are protected as neither…’

Und so sehe ich das auch. Die Öffentlichkeit war mal ein Raum, in den man Privates nicht, oder nur sehr dosiert getragen hat. Das aber ändert sich seit nunmehr zehn, zwanzig Jahren: Die Öffentlichkeit wird mit Privatem zugemüllt, mit Handytelefonaten, mit sich schminkenden Frauen in der Straßenbahn, mit Public Viewing, mit Dauerparties auf dem Brüsseler Platz. Es gibt keine gesellschaftliche Tendenz, nur noch für sich zu sein, der man nun entgegenwirken müsste, schon gar nicht mit einem Gesetz. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Und angesichts dieser Entwicklung würde ich mir wünschen, dass im öffentlichen Raum ein paar mehr Burkas getragen werden würden.

P.S. zum Vorbeugen von Missverständnissen: “Burka” meine ich hier polemisch als Symbol für eine Kommunikationsverweigerung. Dass Frauen, sei es auch “nur” durch religiöse Konventionen, verpflichtet werden (im Gegensatz zu: aus eigener Entscheidung), sich zu verhüllen, halte ich für verachtenswert.