Fortuna Köln – Jahn Regensburg 1-0 (1-0)

Wenn die Fortuna ein Pferd ist, dann war sie gestern wohl ein gutes. Andererseits weiß man beim Springreiten immer schon vorher, wie hoch die Latte liegt, im Fußball dagegen erst nach dem Spiel. Es wäre spannend gewesen, zu sehen, ob die Fortuna noch mal den Vorwärtsgang gefunden hätte, wenn Regensburg der höchstverdiente Ausgleich gelungen wäre? So mussten wir auf diese Spannung verzichten, es gab ja auch so genug. Denn was die Fortuna gestern ablieferte, das war ein kollektives Hinrundenabschlusszittern. Einfach mal den Gegner kommen lassen und zuschauen, ob er das Ding reinmacht.

Nee, das war gar nix, und außer dem Ergebnis gab es nur wenig Positives zu berichten. Aber fangen wir damit mal an: Dennis Engelmann brachte gestern eine gute Leistung. Nicht sehr gut, aber gut. Ich hatte ihn bisher erst einmal live gesehn, und da ging gar nichts. Gestern stand er defensiv recht sicher, wenn auch nach vorne noch Luft war. Hinten waren außerdem Bone Uaferro und Florian Hörnig die Garanten des Siegs. Denn so viel das defensive Mittelfeld dem Gegner auch gestattete, Uaferro und Hörnig bügelten das meiste wieder aus.

Ganz schwach dagegen gestern die erste Halbzeit von Tobias Fink. Sonst regelmäßig einer der besten, ließ er gestern gleich den ersten Angriff über seinen Flügel durchbrechen und konnte sich nur noch mit einem Foul behelfen, für das er zurecht Gelb sah. Auch im Weiteren stand er oft falsch, klärte nicht deutlich genug oder lief hinterher. Ganz schlimm. Die zweite Halbzeit lief dann etwas besser.

Und Johannes Rahn hatte gestern wohl versehentlich Holzpantinen statt Fußballschuhe angezogen, so weit sprang ihm der Ball bei nahezu jeder Annahme vom Fuß. Einmal fand er den richtigen Touch, spritzte in einen Querpass der Regensburger Verteidigung, legte den Ball perfekt am Verteidiger vorbei – aber die nächste Balberührung war dann gleich wieder zu unbeholfen, der Ball sprang weit weg und der Keeper kam noch dran.

Dem defensiven Mittelfeld gelang es gestern in keiner Phase des Spiels, den Gegner daran zu hindern, sich relativ locker bis zum Strafraum durchzukombinieren.

Und nach vorne fehlte Kristoffer Andersen an allen Ecken und Enden. Es kam einfach keine Klarheit ins Aufbauspiel, keine Struktur, kein Druck.

Regensburg war, das muss man so sagen, über 90 Minuten die spielerisch bessere Mannschaft. Andererseits sah man überdeutlich, warum das Team am Tabellenende steht: Denn wenn einem der Gegner schon die Kehle bietet, dann muss man wenigstens selber zubeißen können. Das gelang dem Jahn aber nicht, beste Torchancen ließ er aus. Besonders dramatisch in der ersten Hälfte, als es einem Regenburger gelang, den Ball aus zwei Metern Torentfernung, knapp vom rechten Pfosten aus, noch links am Tor vorbei zu köpfen. (Entgegen anders lautenden Meldungen, musste der Sportfreund da aber schon noch hingehen, denn obwohl Poggenborg bereits geschlagen war, stand auf der Linie am Pfosten noch ein Kölner, der den Ball ansonsten abgefangen hätte.)

Da eine B-Note gestern aber nicht vergeben wurde, nahm alles Zählbare die Fortuna mit – und letztlich ist der ganze Rest auch scheißegal. Denn mit diesem Sieg hat die Fortuna acht Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Aus den letzten elf Spielen holte die Mannschaft sagenhafte 21 Punkte, wie Uwe Koschinat in der Pressekonferenz erwähnte. Hätte sie diesen Schnitt in der gesamten Hinrunde erzielt, stünde sie mit 36 Punkten an der Tabellenspitze. Unglaublich.

Natürlich ist die Fortuna in Wirklichkeit weit entfernt davon, eine Spitzenmannschaft zu sein. Aber es ist nun klar, dass sie in dieser Liga mithalten kann. Und ebenso ist nach gestern klar: nur dann, wenn sie alles in die Waagschale wirft, aber auch wirklich alles, was sie hat.

Ich sehe leider niemanden, der Kristoffer Andersen ersetzen kann – also wird das der Trainer tun müssen: Indem er Spieler besser macht, die jetzt noch nicht Andersens Format haben. Aber vor allem, indem er das Spielsystem so anpasst, dass Andersens Fehlen nicht so sehr ins Gewicht fällt.

Unterm Strich war das eine sehr gute Hinrunde, für das sich das Team einmal kräftig auf die Schulter kopfen kann. Aber wirklich nur ganz kurz, denn schon am Samstag kommt der Sonnenhof nach Zollstock, und dann geht es sofort wieder darum, einen Abstiegskonkurrenten auf Abstand zu halten.

Mindestlohn für die SZ-Zeitungszusteller?

Vor sechs Wochen hatte ich beschrieben, wie mein Zeitungszusteller mir berichtete, dass sein Arbeitgeber kein Personal mehr findet, weil er ab 01.01.2015 keinen Mindestlohn zahlt: “Wie der Mindestlohn tatsächlich die Pressefreiheit gefährdet”.

Nachdem mein Exemplar der Süddeutschen Zeitung auch im Anschluss an dieses Gespräch wiederholt nicht kam, schrieb ich an den Kundenservice des Süddeutschen Verlags: “Sehr geehrte Damen und Herren…” Vermutlich, weil ich auch auf meinen Blogpost und die Aufmerksamkeit verwies, die der bekommen hatte, rief mich drei Tage später Herr K. persönlich an an, der Teamleiter des SZ-Aboservices.

Er war sehr freundlich und fragte, ob mein SZ-Exemplar jetzt wieder pünktlich käme? Das war damals so (seither war die Zeitung noch ein Mal nicht um 7 Uhr im Kasten), und er bot mir an, mich demnächst persönlich an ihn zu wenden, falls es weiter Probleme geben sollte. Ich sagte ihm, dass ich persönlich jetzt zufrieden sei, aber auch hoffe, dass er das Problem nicht nur ein paar Straßen weiter geschoben habe. Lachen am anderen Ende der Leitung.

Ich fragte Herrn K. dann noch, ob der Süddeutsche Verlag (SV) seinen Zustellern denn den Mindestlohn zahle oder das beabsichtige? Er antwortete darauf ausweichend, dass das im Münchener Stadtgebiet durchaus oft der Fall sei, zumal es dort gute Touren gebe, wo die Zusteller pro Hochhaus 30 oder 40 Zeitungen auf einmal los werden. Das war nicht meine Frage, obwohl es sie indirekt auch beantwortet: nämlich mit nein. Der SV zahlt pro Zeitung oder Tour, und es ist das Problem des Zustellers, an eine gute Tour und damit an einen ordentlichen Stundenlohn zu kommen.

Da ich in Bergisch Gladbach wohne und die SZ hier nur Huckepack von Zustellern mitgenommen wird, die im Wesentlichen die lokale Ausgabe des Kölner Stadtanzeigers tragen, hat der SV hier keinen direkten Einfluss, jedenfalls keinen großen. Auf meine Nachfrage, welche Position der SV denn in der Diskussion um die Ausnahme der Zeitungszusteller vom Mindestlohn eingenommen hatte, ging er nicht ein, weil er nicht für den Verlag sprechen wollte.

Nun, zumindesten einige Münchener Zeitungszusteller haben dazu eine klare Meinung – und sie ist nicht schmeichelhaft für den SV: “Mindestlohn – kein Thema für die SZ”. In der Marginalspalte wird die Situation dort so dargestellt:

Ausgangspunkt des Konflikts ist die Absicht der Süddeutschen Zeitung, die Zustellkosten massiv zu senken. Insbesondere die sog. “Alt-Verträge” sollen in der Summe um rund 30 Prozent abgesenkt werden. (Und das, obwohl die Vergütungen bereits seit 15 Jahren stagnieren!) Mit einer ausgesprochenen Eskalations-Strategie versucht ein nobler Zeitungsverlag seither, lästige Betriebsräte aus dem Weg zu schaffen und mit allen Mitteln – einschließlich der Kündigung ganzer Belegschaften – ihr Dumpinglohn-Prinzip durchzusetzen.

Es lohnt sich, in dem Blog mal ein paar Artikel zu lesen. Ich kann deren Wahrheitsgehalt nicht überprüfen, eins ist aber sicher: Zusteller der SZ sind nicht glücklich darüber, wie mit ihnen umgegangen wird. Und ich interpretiere das Ausweichen von Herrn K. mir gegenüber so, dass der Süddeutsche Verlag keineswegs vorhat, ab 01.01. den Mindestlohn zu zahlen.

Die einzige Alternative, außer der Kündigung des Abos, wäre nun für mich, auf den Einzelverkauf umzusteigen. Obwohl ich ahne, dass die Lieferanten, die die Zeitungspakete vor dem Büdchen abladen, auch nicht mit Geld zugeschüttet werden.

Thomas Middelhoff, oder der Mann, für den nur noch falsche Dichotomien sprechen

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung versucht sich heute Rainer Hank  an einer vorsichtigen Verteidigung des Management-Stils von Thomas Middelhoff: Nach dem Middelhoff-Urteil: Die Stunde der Langweiler. Rainer Hank ist nicht irgendwer, er leitet immerhin den Wirtschafts- und Finanzteil der FAS. Und eines ist nach der Lektüre seines Artikels sicher: Wenn selbst dem Kopf der Wirtschaftsredaktion einer konservativen Zeitung nur noch falsche Dichototmien einfallen, um Middelhoff zu verteidigen, dann hat der seine drei Jahre Knast vermutlich verdient.

Es beginnt schon in der Einleitung des Textes: Entweder Middelhoffs Großmannssucht oder Duckmäuser, stellt Hank gegenüber. Ist das wirklich die einzige Wahl?

Der Artikel führt die größten Verfehlungen Midelhoffs auf: Er hat Arcandor 95.000 € berechnet, die für An- und Abreise zu einem Nebenjob fällig wurden. Und er hat Aufwendungen von 180.000 € abgerechnet, um einen Bertelsmann-Manager in einer Festschrift zu loben. Ich kann mir ja noch vorstellen, wie man die Hubschrauberflüge zwischen dem Familienheim und dem Arbeitsort vor sich selbst rechtfertigen kann. Für die beiden Posten oben fehlt mir aber tatsächlich jede Phantasie, Rainer Hank auch.

Dann jedoch verteidigt er das selbst von ihm so genannte “Statusgeprotze” heutiger Unternehmer mit dem schwächstmöglichen Argument: Es sei nicht strafbar. Die Strafbarkeit aber, so Hank andererseits, sei eine Keule, mit der die Gesellschaft in letzter Zeit immer häufiger zuschlage. Und was der Richter uns sagen wolle, “wenn er erwähnt, dass ausgerechnet in Saint Tropez ‘bei einem Glas Wein der Abbau von 4000 Arbeitsplätzen beschlossen wurde’? Hätte man das besser in Essen-Altendorf bei einem Glas Wasser tun sollen?”

Ja, ich denke, genau das wollte der Richter sagen. Und ich auch. Es ist nämlich eine Scheinwahl, zwischen dem Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen bei Wasser und Brot und dem Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen bei Rotwein und Tapas wählen zu müssen. Vielmehr darf man vermuten, dass die Distanz zu den Betroffenen einer Entscheidung diese Entscheidung leichter macht. Hätte Middelhoff die Entscheidung im Büro des Geschäftsführers des Karstadt-Stammhauses treffen und anschließend jedem der 4.000 seine Entlassung persönlich mitteilen müssen, wäre die Entscheidung dann möglicherweise anders ausgefallen?

Ja, kann man das Vorgehen verteidigen, und genau deshalb will man, dass ein Unternehmenschef seine Entscheidung mit Distanz, zum Wohl des Unternehmens und unabhängig von Einzelschicksalen trifft. Aber auch dann bricht Hanks Argumentation zusammen.

Ich habe es persönlich erlebt, wie in schwierigen Zeiten, als in meinem Unternehmen und Betrieb Leute entlassen wurden, der damalige Vorstandsvorsitzende die Sitzungen des Vorstands auf Mallorca abhielt. Gleichzeitig wurde bei uns um entlassene Kollegen geweint und um jeden einzelnen gekämpft. Uns fehlte ein klitzekleines bisschen Verständnis und dem Vorstand bald jeder Rückhalt in der Belegschaft. Seine unehrenhafte Entlassung wurde mit Befriedigung aufgenommen.

Es gehört sich nicht, Wein zu trinken, und Wasser zu predigen. Es nimmt der Unternehmensführung die Legitmität. Es ist unmoralisch.

Aber schließlich schreibt Rainer Hank: “Der neue Moralismus vertreibt die Exzentriker und Charismatiker.” Wirklich? Sind Charismatiker immer unmoralisch? Sind es Exzentriker? Man muss nicht den notorischen Wolfgang Grupp anführen, um zu verdeutlichen, dass Exzentrik (Dreiteiler, Werbung mit Affe, Hausdiener!) und moralische Verantwortung sehr wohl Hand in Hand gehen können.

Man muss sich nur mal vorstellen, wie die Angestellten von Karstadt es Middelhoff gedankt hätte, wenn er Arcandor vor der Pleite bewahrt hätte. DAS wäre nämlich moralisch gewesen: Etwas Gutes für andere Menschen tun, für die Gesellschaft. Wie man ihm die Hubschrauberflüge gegönnt hätte!

Dass Exzentrik mit Leistung einher gehen muss, halte ich nicht für moralinsauer. Niemand will Duckmäuser in Vorstandsetagen – sondern Menschen, die Leistung bringen, dabei gerne exzentrisch sind, und die hinterher, falls nötig, zu ihrem Versagen stehen. Echte Unternehmer eben. Keine Kriegsgewinnler, keine Pleiteprofiteure, keine Kapitäne, die als erste von Bord gehen – mit einem Glas Rotwein in der Hand.

[Update am 17.11.] Heute bläst Marc Beise in einem Kommentar der SZ in ein ähnliches Horn wie Rainer Hank. Dabei hantiert er unter anderem mit der Behauptung, drei Jahre seien ein hartes Strafmaß, mancher Totschläger bekomme weniger. Als ich allerdings das letzte Mal ins Gesetz schaute, stand da noch, dass Totschläger nicht unter fünf Jahren bekommen. Tatsächlich gibt es schuldmindernde Gründe, auf Grund derer eine Kammer auch unter das Mindestmaß gehen kann, beispielsweise wenn der Täter während der Tat sturztrunken war. Ich finde es persönlich zwar falsch, Trunkenheit schuldmindernd zu werten, schließlich ist das Trinken von Alkohol eine bewusste Entscheidung des Täters gewesen. Aber vielleicht könnte aus dem Middelhoffschen Rotwein so doch noch ein unerwartet wichtiger Aspekt der Schuldfindung werden…

Wie der Mindestlohn tatsächlich die Pressefreiheit gefährdet

In diesen Tagen wird meine Zeitung morgens sehr unregelmäßig geliefert. In den vergangenen zwei Wochen war sie fünf Mal nicht um 7 Uhr im Briefkasten, wie es die Norm sein sollte. Heute scheint sie überhaupt nicht zu kommen. Ich bin nach mehreren Reklamationen kurz davor, dem Süddeutschen Verlag mit der Kündigung zu drohen: Ich brauche keine Zeitung, die ich abends bekomme; ich will sie morgens in der Bahn lesen. Außerdem ist es schlicht und einfach Vertragsinhalt, dass die Zeitung um 7 da ist. Ich zahle dafür und will die Gegenleistung auch bekommen.

Auf meiner samstäglichen Morgenrunde mit dem Hund, heute etwas später, gegen 10:30 Uhr, traf ich zufällig den Zeitungsboten. Ich quatschte ihn an, ob er tatsächlich jetzt erst die Zeitungen bringe? Er antwortete ja, offensichtlich schon. Ich: Sie waren in den vergangenen Tagen auch häufiger mal spät dran, oder? Er: Ja, ich weiß, das liegt daran, dass wir wegen dem Mindestlohn keine Leute mehr finden und deshalb total unterbesetzt sind. Sobald es irgendein Problem gibt, mal jemand krank wird, kann niemand mehr einspringen. Ich musste letztens an einem Tag drei Touren machen.

Ich verstand erst gar nicht, was das mit dem Mindestlohn zu tun haben sollte. Bis er meinte: Die Merkel war deswegen ja extra vier Mal bei Dumont.

Stimmt, dämmerte es mir – weil die Verleger massiv dafür lobbyiert hatten, dass am Ende die Zeitungsboten noch für einige Zeit vom Mindestlohn ausgenommen wurden! Weil es, so die Drohung, die Pressefreiheit gefährden würde, wenn die Zeitungsverleger ihren Boten den Mindestlohn zahlen und deswegen ihre Publikationen verteuern müssten.

Tatsächlich ist es jetzt exakt umgekehrt: Menschen, die sich für niedrig qualifizierte Arbeit interessieren, machen einen Bogen um Zeitungsboten-Jobs, weil sie anderswo den Mindestlohn bekommen, dort aber nicht. Und so müssen die Verleger ihre Publikationen nicht verteuern, bekommen sie aber nicht mehr zu ihren treuesten Kunden: den Abonnenten.

Über das Eigentor-Desaster mit dem Leistungsschutzrecht wurde in den letzten Tagen ja ausführlich berichtet. Und beim Mindestlohn nimmt nun dasselbe Elend seinen Lauf: Lange haben die Zeitungsverleger gekämpft, die Kanzlerin persönlich überzeugt, und ihr Ziel erreicht, die Zeitungsboten vom Mindestlohn auszunehmen. Und nun stellt sich heraus, dass diese Maßnahme präzise kontraproduktiv ist.

Und wenn man mal ganz kurz scharf hindenkt, dann meint man fast, dass man darauf auch vorher hätte kommen können.

Wer auch immer die deutschen Zeitungsverleger berät, der müsste sich so langsam auf Schadenersatzklagen einstellen.

[UPDATE] Nachtrag am 19.11. zur Position des Süddeutschen Verlags in dieser Sache.

Fortuna Köln – Hansa Rostock 1-0 (1-0)

Da ich heute keine Zeit für einen ausführlichen Bericht habe, nur ein paar unsortierte Beobachtungen zum gestrigen Sieg der Fortuna über Hansa Rostock:

  • Die Mannschaft hat endlich das Selbstvertrauen wiedergefunden, das ihr quasi mit der Auftaktniederlage in Großaspach verloren gegangen war. Da sind wieder Druck und Zug nach vorne, da ist auch wieder die Durchschlagskraft, das ist vor allem auch wieder Mut.
  • Es werden Gegner kommen, gegen die diese Mannschaft weniger Chancen hat als gegen die vor allem in Halbzeit 2 doch recht schwachen Rostocker. Aber dann erinnert sie sich hoffentlich an die letzten drei Spiele und weiß, dass sie in dieser Liga bestehen kann, auch wenn das zu Beginn der Saison noch nicht ganz klar war.
  • Die Wende zum Besseren im bisherigen Saisonverlauf kam aus meiner Sicht mit einem Spieler, dessen Spiel vielleicht etwas weniger auffällt: Markus Pazurek. Er brachte auf der Sechserposition die Stabilität ins Mittelfeld, die sowohl defensiv wie auch offensiv gebraucht wird, um ein Spiel kontrolliert aufziehen zu können.
  • Ich hätte vor Saisonbeginn niemals gedacht, dass ausgerechnet die Defensive uns die Ergebnisse bringt. Nur vier Mannschaften in der Liga haben weniger Tore kassiert als die Fortuna, davon wiederum zwei nur ein einziges weniger.
  • Umgekehrt hat aber auch jede Mannschaft in der Liga mehr Tore geschossen als Fortuna, bis auf eine, die gleich viele hat. Das Spiel gestern hätte diese Statistik unbedingt ändern müssen, drei Tore hätte da unbedingt heraus springen müssen.
  • So sehr ich Thomas Kraus und seinen unermüdlichen Einsatz mag: Als Anspiel- und Ablegestation für lange Bälle konnte mich Kialka in den letzten Spielen mehr überzeugen. Kraus springen die Bälle oft zu weit weg, seine Ablagen sind zu ungenau. Sehr schade, dass Kialka verletzt ist.
  • Johannes Rahn ist ein begnadeter Techniker. Aber das darf er bitte auf gar keinen Fall lesen, sonst versucht er wahrscheinlich demnächst, sich noch nach dem Spiel bin in die Kabine zu fummeln. Gib mal ab, Johannes! Die anderen wollen auch mitspielen, und du musst die Viererkette gar nicht alleine ausspielen, jedenfalls nicht jeden einzelnen von denen.
  • Kusi Kwame hat sich für mich auf rechts hinten erst mal festgespielt. Gegen stärkere Stürmer als die aus den letzten Spielen wird er wieder seine Probleme haben, und die Position ist weiterhin unsere am schwächsten besetzte. Aber aus dem Trio Sievers, Engelmann und Kwame ist er der stabilste dort. Wenn Zinke zurück kommt, wäre Pazurek eventuell noch eine Alternative.
  • Sehr gute Leistung der Innenverteidigung!
  • Schwacher Schiedsrichter, bei dem ich am Anfang den Eindruck hatte, dass er ein paar Mal auf Verdacht gepfiffen hat. Kein Blick für’s Spiel, schlechte Zweikampfbewertung, und das nicht nur, weil er das klare Foul beim Konter an Rahn laufen ließ, wo es Freistoß und eventuell sogar Rot hätte geben müssen.

 

Fortuna Köln – SpVgg Unterhaching 2-0 (1-0)

Von den fünf Gegnern, die sich bisher im Südstadion vorstellten, war Haching eindeutig der schwächste. Nicht zuletzt deshalb reichte es für die Fortuna endlich, endlich zum ersten Heimsieg. Nach den gezeigten Leistungen wäre ein Unentschieden auch vertretbar gewesen, andererseits hatte Fortuna auch nach besseren Leistungen schon die Punkte liegen lassen,  in gewisser Hinsicht also ausgleichende Ungerechtigkeit.

Südstadion

Gleich fünf Wechsel hatte Uwe Koschinat gegenüber der Niederlage bei den Kickers vorgenommen, und die meisten fruchteten. Insbesondere Markus Pazurek brachte als Sechser mehr Stabilität ins Defensivverhalten, wo die Kombination aus Andersen und Marquet zuletzt doch hauptsächlich nach vorne gedacht hatte. Thiemo-Jerome Kialka belebte das Offensivspiel, obwohl er keine große Torgefahr ausstrahlte, sich aber gut bewegte und einige gute Ablagen zeigte.

Rechts hinten durfte sich nach Sievers und Kwame zum ersten Mal Dennis Engelmann versuchen, 19 Jahre, aus der A-Jugend von Bayer Leverkusen ausgeliehen. Leider blieb sein Auftritt genauso erfolgsarm wie die seiner beiden Vorgänger. Diese Position bleibt aus meiner Sicht die größte Baustelle im Kader, die auch durch die Rückkehr der verletzten Spieler nicht geschlossen werden wird. Mehrere Male ließ Engelmann seine Seite sperrangelweit offen stehen, und hatte schon nach zehn Minuten Glück, als sein Gegenspieler auf einmal 40 Meter Feld vor sich hatte, dass der mit seiner Hereingabe nur Uaferro fand.

Dennis Engelmann

Das wiederum war nicht nur Zufall, denn Boné Uaferro war gestern der beste Mann auf dem Feld: Wie ein Turm stand er in der zentralen Defensive, wie ein magnetischer Turm obendrein. Er schien die Bälle anzuziehen und entschied sich dann immer richtig, entweder unter Druck für den klaren Befreiungsschlag, oder mit einem bisschen Zeit für den klugen und präzisen Kurzpass. Herausragend!

Offensiv war Kialka bemüht und quirlig, genauso wie Kessel, dem aber wenig Durchschlagendes gelang und der zurecht ausgewechselt wurde. Cauly Souza zeigte eine solide Leistung. Wenn auch noch Johannes Rahn einen guten Tag erwischt hätte, dann hätte das Spiel früher entschieden sein können. Rahn erzielte zwar den Führungstreffer, aber sonst gelang ihm nicht viel, inbesondere mit dem Rücken zum Tor misslangen ihm Ablagen auf Mitspieler in Serie.

So gehörte der Fortuna die erste Halbzeit, nachdem sie die Anfangsphase überstanden hatte und später ein Hachinger Kopfball nach einem Freistoß aus dem Halbfeld nur auf die Latte getropft war.

Ups, der war auf der Latte

Nach dem Köln Führungstreffer kam Haching phasenweise kaum aus der Abwehr heraus, die abgewehrten Bälle landeten postwendend wieder bei der Fortuna, die zu diesem Zeitpunkt druckvoll nach vorne spielte den Sack schon hätte zumachen können.

Mit der Einwechslung von Sascha Bigalke allerdings bekam Haching nach der Halbzeit den Spielverlauf weitgehend in den Griff. Es schien manchmal so, als hätten die Mannschaften in der Pause nur die Trikots getauscht. Doch wer bei einem Konter selbst einen ordentlichen Querpass nicht im leeren Tor unterbringen kann, sondern nur ans Außennetz setzt, der kassiert dann nach alter Fußballerregel selbst das Tor: Ein sehr weiter Abschlag von Poggenborg (insgesamt verbessert!) landete Mitte der gegnerischen Hälfte bei Dahmani, der schlug eine wolkenhohe Bogenlampe über den Torwart hinweg, und der Hachinger Verteidiger versuchte gar nicht erst nicht, den herabfallenden Ball zu erwischen, sondern stellte sich auf die Linie und überließ das Thomas Kraus, der ihn im Netz unterbrachte.

Dieser Sieg war nicht unvermeidlich, aber nach einigen Enttäuschungen der letzten Wochen auch nicht unverdient. Hoffentlich geben die Punkte der Mannschaft Auftrieb. Die Geschlossenheit stimmte jedenfalls wieder einmal. Es werden aber auch wieder Gegner kommen, die besser Fußball spielen. Am kommenden Wochenende in Dortmund jedoch scheint es den bisherigen Ergebnissen zufolge eine erkennbare Chance zu geben, den nächsten Schritt aus dem Keller zu tun.

Spielbericht des BR: http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/blickpunkt-sport/spvgg-unterhaching-der-favorit-strauchelt-beim-aufsteiger-100.html

Alle meine Fotos vom Spiel: https://www.flickr.com/photos/surfguard/archives/date-posted/2014/09/14/

Fortuna Köln - SpVgg Unterhaching

Konsequente Blockbildung in der Auswärtskurve

Klaus Ulonska, drei Punkte im Blick

Fortuna Köln – VfL Osnabrück 0-1 (0-0)

Ich habe gestern Abend lieber nichts geschrieben, da war ich viel zu enttäuscht. Nicht sauer, einfach nur sehr, sehr enttäuscht. Und da ich heute auch keine Zeit für einen längeren Bericht habe, kurz ein paar Beobachtungen:

  • Kämpferisch hat mich die Mannschaft überzeugt. Sie gibt nie auf, wirft sich bis zum Schluss rein.
  • Der große Unterschied, der sich gestern auftat, war auch nicht die Spielanlage: Die der Fortuna ist in der 3. Liga genauso gut wie in der Regionalliga.
  • Aber in Sachen Ballbehandlung habe ich gestern einen Klassenunterschied zu Osnabrück gesehen. Wenn ich sehe, wie Osnabrücker hart aus dem Strafraum geschlagene Bälle an der Außenlinie mit der Brust annehmen und dann sofort weiterverarbeiten, dann ist das einfach meilenweit von fast allen Kickern der Fortuna entfernt. Lediglich Andersen und Rahn konnten in dieser Hinsicht mithalten.
  • Körperlich war Fortuna auch noch keiner Mannschaft überlegen, auch gestern nicht dem VfL.
  • Das logische Resultat sind dann häufige Ballverluste. In der Regionalliga hast du eben die halbe Sekunde mehr Zeit bei der Ballannahme. In dieser Liga müsste man die Zeit mit besserer Technik rausholen, aber das können die Spieler der Fortuna nicht.
  • Rahn ist für mich ein großer Lichtblick. Er versucht manchmal noch zu viel, mit dem Kopf voraus durch fünf Spieler durch geht selten gut. Aber er gewinnt die Mehrzahl seiner Kopfbälle auf dem rechten Flügel, wenn er in die langen Bälle springt. Und mit dem Fuß: s.o.
  • Der Elfmeter war absolut gerechtfertigt: Hörnig trat dem Osnabrücker gegen den Außenrist.
  • Schön zu sehen, dass Souza gleich Verantwortung übernahm. Aber ganz ehrlich: Wenn ich schon jeden ruhenden Ball trete, dann dürfen die auch ein bisschen schärfer in den Strafraum kommen. Über hohe, weite, weiche Bälle lacht doch jeder Innenverteidiger. Dennoch ein Auftritt, der Mut macht.
  • Die Strafraumbeherrschung des Osnabrücker Torwarts fand ich überragend. Schade, dass Fortuna seinen einzigen Klops, als er den Ball fast unbedrängt fallen ließ, nicht ausnutzen konnte. Aber kurz vor Schluss gab es eine Szene, wo er zuerst nur noch knapp mit der Hand an eine weite Flanke kam – und eine Sekunde später schon wieder den Nachschuss abwehrte, weil er durch das Strafraumgetümmel etwas aus dem Tor gerückt war. Unglaublich handlungsschnell.
  • Nachdem ich gestern Abend wirklich sehr deprimiert war, weil mir meine Mannschaft vollständig chancenlos erschien, kann ich heute auch sehen: Selbst solche Spiele gestaltet die Fortuna knapp, hat bis zum Schluss die Möglichkeit zu punkten und setzt alles daran, das auch zu tun.
  • Zum untersten Rand des Punktesolls fehlt nur ein Sieg im nächsten Spiel, dann wären es gleich viele Punkte wie Spiele. Das wird auf Dauer nicht ganz zum Klassenerhalt reichen, aber letzte Saison hätten 41 Punkte aus 38 Spielen genügt.

Nach sieben Jahren, in denen wir in unserer jeweiligen Liga immer mindestens mithalten konnten, meist sogar um die Spitze spielten, fühlt sich Abstiegskampf etwas ungewohnt an. Aber komm ruhig her, du blöde Sau!