Fortuna Köln – Viktoria Köln 3-1

Dieses Spiel zeigte wie unter der Lupe auf, warum Fortuna und Viktoria in der Tabelle zum Ende der Saison jeweils dort stehen , wo sie stehen, nämlich Fortuna auf Platz 2, mit Restchancen auf den Aufstieg, und Viktoria, der erklärte Aufstiegskandidat, auf Platz 6, mit 16 Punkten Rückstand auf Platz eins bei einem Spiel mehr. Den Unterschied in dieser Partie machte eine wesentliche Qualität aus: Herz.

Nach dem Schlusspfiff

Denn nach Tormöglichkeiten war die Partie ausgeglichener, als es das Endergebnis vermuten lässt. Gerade in der ersten Halbzeit hatte Viktoria gleich eine ganze Reihe von guten Chancen, sogar einen Pfostenschuss, als Fortuna in der Defensive noch nicht so kompakt stand wie ab Mitte der ersten Hälfte und Viktoria zu viel Platz ließ. Aber von der ersten Minute an sah es so aus, als würden die Spieler von der Schäl Sick sich die Zeit bei einem Freizeitkick vertreiben, während Fortuna engagiert kämpfte. Viktoria spielte sich den Ball locker und drucklos zu, kam nur wegen der großen individuellen Qualität ihrer Spieler dennoch zu Tormöglichkeiten. Wenn Engagement bei Viktoria zu erkennen war, dann in Form von Frust und Übermotivation: Alex Voigt bekam sich nach seiner gelben Karte nach einer halben Stunde gerade noch in den Griff, vorher hatte er wie eine Rotkandidat mit Ansage ausgesehen, nahm eine Entschuldigung nach harmlosem Mittelfeldfoul an ihm nicht an und grätsche Sievers schließlich unnötig an der Außenlinie um. Eine Viertelstunde vor Ende keilte Gardawski an der Eckfahne gegen Lukas Nottbeck aus wie ein zorniger Ackergaul. Warum der ansonsten sehr gut leitenden Schiedsrichter Storks hier nicht mindestens Gelb zeigte, war unerklärlich. Und nach dem Spiel ließ Voigt seinen Frust angeblich noch an den eigenen Fans aus, jedenfalls gab es eine Auseinandersetzung, bei der Voigt von einem Mannschaftskameraden zurückgehalten wurde.

Nach dem Schlusspfiff

Gelb für Voigt

Fortuna im Gegensatz ackerte und rackerte das ganze Spiel über. Prototypisch eine Szene beim Stand von 2-0, als der Ball bei einem Konter über die Seitenauslinie zu gehen drohte und Thomas Kraus im Kung-Fu-Stil absprang, um die Szene am Leben zu halen. Und selbst, wenn nicht immer alles gelang und der Fortuna zwei Tore geschenkt wurden, war nur beim Team in rot-weiß der klare Wille erkennbar, als Sieger vom Platz zu gehen.

Zu den Toren der Fortuna: Das erste, schon nach neun Minuten, war eine Standardsituation. Lejan tritt einen guten Freistoß von halblinks in den Strafraum, im Strafraum rutscht ein Fortunaspieler weg und geht nicht zum Kopfball, so dass der Ball bis kurz vor’s Tor durchkommt, wo Oliver Laux nur noch den Fuß hinhalten muss. Nach dem 2-0 wollte der Viktorianer Tschumakow im Boden versinken, vielleicht auch schon vorher, denn am Fünfmeterraum bekam er den Ball zugespielt, verstolperte ihn aber peinlich, und der kurz zuvor eingewechselte Fabian Montabell, der gut Druck gemacht hatte, musste nur noch einschießen. Strafauswechslung für Tschumakow fünf Minuten später. Und beim 3-0 erlief Michael Lejan einen abgefälschten Schuss und vollendete selbst.

Untröstlicher Torverursacher

Zeigte sich also die ETL-Truppe auf dem Feld desolat unengagiert, so kann man das von den Fans der Viktoria nicht sagen: Die trommelten das ganze Spiel hindurch und brachten Sprechchöre, wenn auch zu 99% völlig einfallslose (“Scheiß Fortuna”), und sogar eine Choreo beim Einlaufen der Mannschaften zustande. Das muss das Mitleid ihnen lassen. Denn ein Verein, der zu einem Stadtderby mit Straßenbahnanreise beim absoluten Hassgegner keine hundert Mann in seine Kurve bringt, entlarvt sich als das, was er unbestreitbar ist: Ein aufgeblasenes und von niemandem geliebtes Kunstprodukt ohne Basis. Diesen Auftritt peinlich zu nennen, ist schon das beste was man sagen kann, denn eigentlich dürfte man sowas nicht mal ignorieren.

Peinlich unterbesetzte Gästekurve

Auflaufen der Mannschaften

Mit einem Gesamtergebnis von 6-2 und dem aktuellen Tabellenstand hat die Fortuna jedenfalls mehr als deutlich gemacht, wer in dieser Stadt die Nummer zwei nach dem Effzeh ist. Und wenn nächste Saison voraussichtlich weniger Geld nach Zollstock fließt und vielleicht noch mehr nach Höhenberg, dann wird der aufrechte Fußballfan in Erinnerung behalten, wie das Duell dieser beiden Mannschaften ausgeht, wenn Waffengleichheit herrscht: 6-2 für die gute Seite der Macht.

Video des Spiels beim Stadtanzeiger: http://www.ksta.de/videos/15189544,15189544.html?bctid=2374453741001

Nach dem Schlusspfiff

Derbysieger

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Fortuna Köln im Schlusspurt der Regionalliga

Noch drei Spiele. Und noch vier Punkte auf Lotte, sowie das um acht Treffer schlechtere Torverhältnis. Die Meisterschaft ist noch drin für Fortuna Köln, auch wenn die Chance klein ist. Dass man das überhaupt sagen kann, ist Rot-Weiß Oberhausen zu danken, die Lotte gestern in der 90. Minute noch ein Tor einschenkten und so dem zuletzt am 11. Spieltag von Viktoria Köln geschlagenen Spitzenreiter mal wieder eine Niederlage beifügten.

In den Wochen zuvor hatte Fortuna die damals noch reale Chance, sich für die Aufstiegsrelegation zu qualifizieren, fast schon vergeigt: Zwei Niederlagen gegen Bayer Leverkusen II und in Kray, Mannschaften aus dem Tabellenkeller also, hatten dafür gesorgt, dass selbst Trainer Koschinat die verbleibenden Spiele als Bewährungschance für Stipe Batarilo sah, einen hoffnungsvollen Nachwuchsspieler, der während der Saison noch nie zur Startformation gehört hatte.

Gegen Schalke II am Freitag Abend lief außerdem Kapitän Lukas Nottbeck auf, dessen Wechsel nach der Saison zu Erzfeind Viktoria kurz zuvor bekannt geworden war. Quasi zur Erklärung schrieb der Stadtanzeiger letzte Woche darüber, dass sich Michael Schwetje, der stille Geldgeber der ersten Herrenmannschaft der Fortuna, nach der Saison zurückziehen oder jedenfalls deutlich weniger engagieren werde. Nun war endlich klar, warum die Fortuna bislang noch keine Gespräche mit ihren Leistungsträgern geführt hatte, deren Verträge fast alle am Saisonende auslaufen: Eventuell werden die Brötchen nächste Saison viel kleiner.

Im Fanforum gab es trotz dieser Situation, in der Profifußballer Nottbeck im Mai sein Einkommen ab Juli sichern musste und von der Fortuna kein Angebot vorliegen hatte, böse Anfeindungen gegen ihn. Und auch während des Schalke-Spiels schallten einmal “Lukas, du Verräter!”-Sprechchöre aus der Südkurve.

Nottbeck aber zeigte, wie sich ein Profi verhält: Er gibt alles für den Verein, bei dem er unter Vertrag steht. Gegen die brandgefährlichen Schalker, immerhin Tabellendritter, war Nottbeck überall auf dem Platz zu finden, rannte und rackerte, wie man es von ihm schon während der gesamten Saison gewohnt war, und schoß den wichtigen Ausgleich Sekunden nach der Schalker Führung, sein siebtes Saisontor.

Trainer Koschinat hatte gegen die schnellen Schalker U-Spieler eine Formation aufgeboten, die offensiv ein 4-2-3-1 bildete, sich defensiv aber zu einem 4-1-4-1 komprimierte. Zinke stand dann als Staubsauger zwischen zwei Viererketten, und nur Thomas Kraus durfte vor dem Ball bleiben, investierte seine Ausdauer aber wie üblich in engagiertes Forechecking gegen die Schalker Verteidiger.

Dass Kraus dann noch die Ruhe und auch Klasse hatte, in der 75. Minute ein Duell gegen den Torwart eiskalt abzuschließen, spricht für seine tolle Entwicklung über die Saison. Zu Beginn war er noch der Chancentod, der viel und schnell lief, aber den Ball nicht am Keeper vorbei brachte. Gegen Schalke zeigte er, was er gelernt hatte, sprintete durch die hoch stehende Schalker Verteidigung in einen toll getimeten Steilpass von Maurice Kühn, behielt die Ruhe, trabte fast auf den Torwart zu und schloss so locker wie sicher mit einem Flachschuss neben den linken Pfosten ab. Ich erinnere mich, dass Uwe Koschinat nach ähnlichen, aber vergebenen Situationen von Kraus zu Saisonbeginn einmal sagte, dass man sich die Abschlussicherheit im Training erarbeiten kann. Das scheint perfekt gelungen zu sein.

Trotzdem fehlt Timo-Jerome Kialka der Mannschaft, denn er war der Knipser im Zentrum, der auch aus halben Chancen Tore machte. Seine oberdämliche Tätlichkeit im Spiel gegen Leverkusen ist mit vier Spielen Sperre kein bisschen zu streng geahndet worden.

Damit muss er gegen Viktoria Köln am Samstag noch einmal zusehen, doch zum Glück zeigte die Mannschaft am Dienstag in Wiedenbrück, dass sie auch ohne Kialka effektiv spielen kann. Ich war nicht vor Ort, aber nach allen Berichten war es der Sieg einer Spitzenmannschaft: Scheiße gespielt, unter Druck gewesen, aber die zwei eigenen Chancen reingemacht und als Sieger vom Platz gegangen. Und das ohne den gelbgesperrten Nottbeck, ohne Kialka, ohne Yilmaz und ohne Silvio Pagano, der wohl noch nicht fit für 90 Minuten ist.

Jetzt sind es also die erwähnten vier Punkte auf Lotte, bevor am Samstag Viktoria Köln ins Südstadion kommt. Das wird ein heißes Duell, auf das ich mich sehr freue, nicht nur wegen der ohnehin scharfen Rivalität der verschiedenen Rheinufer und unterschiedlichen Investmentkonzepte (still und zurückhaltend hier, protzig und proletig da), sondern auch weil Viktoria der Fortuna die Meisterschaft mit Sicherheit endgültig versauen möchte, und weil die Fortuna um die letzte Chance darauf spielt.

Wie es am Ende dieser Saison aussieht, ist ja wieder spannend. Denn falls Fortuna gewinnt, dann stehen für Lotte noch die Spiele in Siegen (am Sonntag), gegen RWE und in Velbert aus. Siegen ist immerhin Tabellenvierter und in Form. RWE ist Fünfter, zuletzt mit sehr wechselhaften Leistungen. Nur für Velbert wird es um nichts mehr gehen. Fünf Punkte kann Lotte also realistisch schon noch verlieren, wobei das Schlüsselspiel das in Siegen sein dürfte.

Für die Fortuna ist die Situation in gewisser Hinsicht sogar schwieriger, weil die Spieler wissen, dass die Spielbetriebsgesellschaft nur dann nächste Saison Geld vom Investor bekommt, wenn der Aufstieg gelingen sollte. Da man als Profi aber nicht bis zum letzten Tag warten kann, bevor man sich nach einem neuen Verein umsieht, könnte es sein, dass viele Spieler auf dem Platz stehen, die vom Aufstieg nichts hätten. Andererseits will ein echter Fußballer normalerweise jedes Spiel gewinnen und jeden Erfolg mitnehmen.

Aber nach all dem Hin und Her in dieser Saison, sollte ich mich mit Prognosen lieber zurückhalten. Ich lasse mich überraschen und freue mich bis dahin auf ein hoffentlich stimmungsvolles und glorreiches Derby am Samstag im Südstadion.

Kurz reingeschaut: “Männer” im Schauspielhaus Köln

Ich muss mein Klagelied wiederholen, und hätte das gerne in der Kommentarspalte des Schauspielhauses getan, das meinen Text jedoch mit der Fehlermeldung “Botcheck error” zurückweist. Nein, hier schreibt ein Mensch, wohingegen ich mir nicht sicher bin, dass “Männer” nicht dem automatischen Playlistgenerator eines Privatradios entsprungen sein könnte.

Denn was hat so eine Aufführung an einem städtischen Theater zu suchen? Warum müssen wir so etwas subventionieren? Ich bin als Bürger und als Abonnent sehr verärgert.

“Männer” ist nichts als eine platte, völlig willkürliche Aneinanderreihung von Schlagern, die dann auch noch an die wirklich simpelsten Instinkte des Publikums apellieren. Das ist viel zu selten witzig, immerhin gut gesungen, hat aber an keiner Stelle irgendeine Tiefe. Die Ironie ist nur vorgegeben, letztlich sitzen doch Menschen im Publikum, die den FC geil finden, in populären Melodien schwelgen und sich einfach ein bisschen amüsieren wollen. Und das Kölner Schauspielhaus bietet ihnen den Rahmen für den Selbstbetrug, das nicht unter dem Niveau zu tun, das die Aufführung doch nie erreicht.

Ich bin entsetzt, dass so etwas während der Intendanz von Karin Beier möglich ist, die uns, ohne dass sie jemand genötigt hatte, einst versprach, Singspiele gehörten nicht an ihr Theater. Und jetzt gibt es das platteste von allen, gegen das Radio Ro oder Werner Schlaffhorst, ganz zu schweigen von “Erdbeerfelder für immer”, geradezu Feste der Hochkultur waren.

Diese Aufführung, die auch noch das zweite Singspiel im diesjährigen, ohnehin kurzen Aboprogramm war, lässt mich ernsthaft überlegen, ob ich nächstes Jahr wieder Abonnent werden soll.

Was für ein Frechheit.

Fortuna Köln – Rot-Weiß Oberhausen 2-0 (0-0)

Ich hatte vor dem Spiel gesagt, dass mir jeder Sieg recht ist, auch ein schmutziger. An diesem Maßstab gemessen bin ich heute sogar höchst zufrieden, aber auch mit alltäglichen Ansprüchen war das heute ein sehr ordentliches Spiel der Fortuna.

Angst vor einer Niederlage musste man nur eine Minute lang haben, als nämlich in der 40. Minute ein RWO-Stürmer den Ball nach einer Hereingabe auf das Kölner Tor schoss und nur ein angelegentlich herumstehender Fortunen-Körper den Ball am Überqueren der Torlinie hinderte. Der wieder einsatzberechtigte Poggenborg wäre jedenfalls geschlagen gewesen.

Für die Fortuna war die Szene aber wohl der Weckruf, denn von diesem Moment an dominierte sie die Partie, die sie vorher zu lässig angegangen war. Da fehlte der letzte Biss, vor allem fehlten Klarheit und Druck im Spiel. Nach vorne äußerte sich das in zu wenigen Torszenen, nach hinten in wieder einmal gefährlichen Ballverlusten.

Doch ab der 40. Minute kamen Druck und Klarheit, und prompt ergaben sich schon vor der Pause drei gute Gelegenheiten, noch ohne Tor. Nach der Pause ging es dann recht schnell. Fortuna übte weiter Druck aus, irgendwann war Montabell auf halbrechts durch, wartete klug auf den heranrauschenden Kraus, passte scharf und flach in dessen Lauf, und Kraus grätschte den Ball im Fallen aus einem Meter unter’s Tordach. Das 1-0 war verdient, und auch in der Folge ließ die Fortuna nicht nach. Oberhausen bekam zwar gelegentlich Ballbesitz, aber keine allzu klaren Torchancen.

In der 79. Minute dann die Entscheidung: Fink hatte sich auf dem linken Flügel bei einem Konter durchgesetzt, zog in die Mitte, verzögerte, fast meinte man schon zu lang, aber dann kam doch noch der kurze Pass auf Kialka, der aus 14 Metern souverän einschoss.

Die beiden Winterneuzugänge im Zusammenspiel also. Deren Kauf hat sich nach den bisherigen Eindrücken mehr als gelohnt, sie sind eine große Verstärkung der Mannschaft, Kialka die lang ersehnte Tormaschine im Zentrum, Fink ein bärenstarker Linksverteidiger.

Heute aber funktionierte in der 2. Halbzeit die gesamte Mannschaft, die Uwe Koschinat in einer etwas überraschenden Aufstellung auf‘s Feld geschickt hatte: Poggenborg – Sievers, Flottmann, Laux, Fink – Zinke, Nottbeck, Schaaf – Kraus, Kialka, Montabell. An das 4-3-3 hat man sich in den letzten Wochen schon gewöhnt, seit dem Ausfall von Pagano (vermutlich noch drei Wochen Ausfall, meinte er auf der Tribüne, die Gelenkschiene noch am Bein). Dass aber Montabell den Linkssaußen gibt und Schaaf einen Achter, das hatte man noch nicht gesehen. Schaaf überzeugte mich hauptsächlich kämpferisch, spielerisch war da Luft nach oben. Und Montabell rackerte wie immer, bereitete ein Tor vor: Einsatz voll gerechtfertigt.

Am Ende zählen erst einmal die sehr, sehr wichtigen drei Punkte im Nachholspiel. Jetzt ist Lotte noch sechs Punkte weg und hat ein Spiel mehr. Und wenn die Mannschaft sich nach den wechselhaften letzten Spielen auf dem Niveau der zweiten Hälfte stabilisieren kann, dann bin ich auch wieder zuversichtlich, dass wir bis zum Schluss oben dran bleiben werden.

Am Samstag geht es nach Hüls, die heute RWE mit 5-0 schlagen konnten. Die Anspannung wird also hoch bleiben.

[UPDATE] Die Pressekonferenz nach dem Spiel:

P.S.: Angeblich waren über 1.000 Zuschauer im Stadion. Hat sich nicht so angefühlt.

FC Hennef 05 – Fortuna Köln 3-4 (2-4)

Was soll man nach so einem Spiel sagen? Mund abputzen, Hauptsache weiter? Es war ja schließlich das Halbfinale des Mittelrhein-Pokals, Gegner war immerhin der Titelverteidiger auf seinem heimischen Platz. Aber es war auch ein klassentieferer Gegner, die Fortuna führte drei Mal mit zwei Toren Vorsprung und hatte unterm Strich dennoch Glück, weitergekommen zu sein.

Uwe Koschinat redete, wie es seine Art ist, nicht um den heißen Brei herum, sondern gestand in der Pressekonferenz unumwunden ein, dass nicht die bessere Mannschaft dieses Spiel gewonnen hatte. Tatsächlich kam das effektivere Team weiter, denn Hennef hatte die deutliche Überzahl an Großchancen, verwertete davon aber zu wenige.

Auflaufen der Mannschaften

Schon kurz vor der Kölner Führung in der 12. Minute hatte ein Hennefer den Ball aus zehn Metern freistehend über das Tor gedroschen. Im weiteren Verlauf der ersten Häfte fielen die Tore dann im Minutentakt, und das 4-2 für die Fortuna war zur Pause nicht unverdient, weil sie ihre Chancen fast vollständig verwertet hatte. Lediglich Kialka hätte noch ein Tor mehr machen müssen, stand völlig frei 7 Meter vor dem Tor, verlor aber die Balance und setzte den Ball im Fallen am Pfosten vorbei.

Nach der Pause jedoch begann ein Debakel, das normalerweise mit einer deutlichen Niederlage hätte bestraft werden müssen. Sekunden nach dem Wiederanpfiff machte Hennef den Anschlusstreffer und hätte in den folgenden zehn Minuten aus seinen drei 100%igen mindestens noch ein oder zwei Tore machen müssen. Die Fortuna hingegen fand zu keiner Zeit mehr die richtige Einstellung zum Spiel. Kein Spieler wusste, wie er sich verhalten musste, lediglich Thomas Kraus riss wie üblich seine Kilometer ab, wusste aber mit unpräzisen Zuspielen und mit viel Aufwand erlaufenen Bällen dann nichts anzufangen.

Eine Vollkatastrophe war über das gesamte Spiel hinweg das Defensivverhalten des Teams, das noch vor einer Woche in Essen 70 Minuten Abwehrschlacht souverän überstanden hatte. Jeder Spieler stand schlecht zum Ball, spielte dem Gegner in den Fuß oder konnte nicht entscheidend klären.

Der nach der Ligazugehörigkeit unerwartete, von pokalgebeutelten Fortunafans dennoch unkend prognostizierte Spielverlauf lag aber nicht nur an den Schwächen der Fortuna. Nein, Hennef machte ein richtig gutes Spiel und hätte die Fortuna fast mit ihren eigenen Mitteln geschlagen: Mit großer körperlicher Robustheit und einem schnellen, schnörkellosen Spiel in die Spitze kämpfte und spielte sich der Verbandsligist seine Möglichkeiten heraus. Es war schnell klar, dass dieses Team den Pokal letzte Saison nicht mit Glück gewonnen hatte, sondern Qualitäten besitzt, die gerade in KO-Spielen den Erfolg bringen können.

Torchance

Am Ende siegte die Fortuna unverdient. Und scheiße kalt war’s außerdem. Im Pokal fragt danach keiner mehr, wenn es am Mittwoch vor Fronleichnam in Bonn ins Finale geht. Aber ich habe in den letzten drei Spielen, in Essen, Düsseldorf und Hennef insgesamt nur vielleicht 45 Minuten gesehen, in denen die Fortuna Torgefahr ausstrahlte. Das ist zu wenig. Und wenn dann noch, wie gegen Düsseldorf und Hennef, kapitale Abspielfehler und Unsicherheiten dazu kommen, kann man eigentlich kein Spiel gewinnen.

Bergisch Gladbach am Samstag wird solche Schwächen auszunutzen wissen. Nicht zuletzt Ex-Fortune und Bald-Siegener Abdelkader Maouel würde sich freuen, den Ball gegen eine unsortierte Abwehr am Fuß führen zu dürfen.

Jubel über das 1-2

Bibbern auf der Bank

Beste Sicht

Fortuna Düsseldorf U23 – Fortuna Köln 2-0 (0-0)

So glücklich, wie ich am Dienstag war, so sauer bin ich heute. Das war genau das Spiel, das ich befürchtet hatte: Zu locker angegangen, zu selbstverständlich den Sieg erwartet.

Es begann mit der Aufstellung: Uwe Koschinat sah, laut Fortuna-Facebook-Channel, “keinen Anlass, die Aufstellung zu ändern”. Mir würde da mindestens zwei Gründe einfallen: Der Gegner und der zu erwartende Verlauf des Spiels. Gegen Essen in Essen defensiv anzutreten ist richtig. Bei einer Mannschaft aus dem Tabellenkeller keinen kreativen Aufbauspieler auf dem Feld zu haben, verstehe ich nicht.

F95 U23 - Fortuna Köln

Das Spiel fing zerfahren an. Fortuna (natürlich Köln) fand nicht so recht ins Spiel, die Pässe kamen nicht an. Nach zehn Minuten jedoch schien sich die Mannschaft gefangen zu haben, sie dominierte die Partie jetzt wie zu Beginn in Essen – allerdings ohne sich große Chancen herauszuspielen.

Diese zwanzig Minuten blieben dennoch die besten des Spiels. Denn bis zur Pause und auch danach blieb das Spiel der Fortuna unpräzise und larifari: Die Bälle wurden nicht in den Fuß gespielt, dafür sollten sie dann aber gerne mit dem Außenrist weitergeleitet werden. Das ist einfach nicht das Spiel dieser Truppe, die sonst mit klaren und druckvollen Spielzügen agiert, nicht mit künstlerisch wertvollem Kleinklein.

Sinnbildlich für die falsche Ein- und Aufstellung heute war Maurice Kühn. Gegen Essen war er noch einer der besten, denn das ist sein Spiel: Wenn der Ball auf ihn zukommt, er den Turm in der Schlacht geben und seine Gegenspieler bekämpfen kann. Heute dagegen, mit meist zehn gegnerischen Spielern vor sich, war er fehlplatziert, verschleppte das Spiel ein ums andere Mal, wie weiland Ballack bei den Bayern, nur mit mehr Fehlpässen. Dass er bis zum Schluss auf dem Feld bleiben durfte und nicht einem Pospischil oder Kessel weichen musste, war mir nicht verständlich.

Nach vorne strahlte die Fortuna also keine Gefahr aus, und so geschah dsa Unvermeidliche: Ein Düsseldorfer setzt sich auf links durch, passt in die Mitte vors Tor, der Ball wird zu kurz abgewehrt und schlägt dann, gegen die Laufrichtung von Poggenborg geschossen, ein.

Anschließend waren immerhin die Wut und der Wille zu erkennen, die sich anbahnende Niederlage nicht einfach hinzunehmen. Allein, die Mittel genügten immer noch nicht, und so war das 0-2 prototypisch: Ein schlimmer Fehlpass von Schaaf über drei Meter, als er dem gegner nicht zutraute, den Fuß in den schwach gespielten Ball zu bekommen. Der Konter wird gut und steil gespielt, 1:1 gegen Poggenborg, der sich dem Angreifer entgegenwirft, der Ball wird an ihm vorbei gespitzelt, er kann dem Gegner nicht mehr ausweichen und sieht Rot. Eine aus meiner Sicht sehr harte Entscheidung. Den anschließenden Elfmeter verwandelt der Düsseldorfer sehr sicher gegen Ersatzkeeper Kühn, Fortuna hatte schon drei Mal gewechselt.

Abgang Poggenborg

F95 U23 - Fortuna Köln

Das war eine unter dem Strich schwache Leistung, die zurecht nicht mit Punkten belohnt wurde. Fortuna konnte den Gegner nie in echte Verlegenheit bringen, dafür spielte sie vor allem zu langsam. Und darüber bin ich heue einfach mal sehr, sehr sauer.

Die Niederlage ist übrigens noch einmal extra schmerzhaft, weil Lotte und Viktoria gewinnen konnten – Lotte in den letzten vier Minuten gegen die zuletzt 9-aus-10-Sieger von Wiedenbrück.

Ersatzkeeper Kühn beim Kopfball

F95 U23 - Fortuna Köln

P.S.: Und heute bin ich auch mal überhaupt nicht einverstanden mit der Spielbewertung von Uwe Koschinat. Angeblich war’s ein grandioses Spiel der Fortuna, bloß dass wir keine Tore geschossen haben. Finde den Widerspruch…

Outlaws in Streifenwagen

Ich bin sehr erfreut, dass der Stadtanzeiger mal zum Thema macht, wie sich Polizisten und andere Angehörige des Ordnungspersonals im Straßenverkehr verhalten: Parken im Halteverbot – Darf die Polizei das?

Ich ärgere mich schon länger, wie sich Fahrzeuge der Polizei, offensichtlich im Missverständnis, sie seien das Gesetz, nicht an die normalen Regeln der StVO halten. Und just heute morgen beobachtete ich diese Szene: Ich fahre in einer kleinen Autoschlange auf eine Ampel zu, die rot wird. Der zuvorderste Fahrer hält vor der Ampel an. Die Polizistin im Einsatzwagen hinter ihm dagegen schert aus, wirft das Blaulicht (ohne Sirene) an, überholt den haltenden Wagen, überfährt die rote Ampel und die Kreuzung – schaltet das Blaulicht nach 50 Metern wieder aus und fährt in gemächlichem Tempo weiter.

Ich will das nicht zu hoch hängen, aber mich wundert nicht, dass sowieso keiner mehr blinkt, wenn sich selbst die Gesetzeshüter wie Verkehrsrowdies verhalten.

Freunde und Helfer