Mindestlohn für die SZ-Zeitungszusteller?

Vor sechs Wochen hatte ich beschrieben, wie mein Zeitungszusteller mir berichtete, dass sein Arbeitgeber kein Personal mehr findet, weil er ab 01.01.2015 keinen Mindestlohn zahlt: “Wie der Mindestlohn tatsächlich die Pressefreiheit gefährdet”.

Nachdem mein Exemplar der Süddeutschen Zeitung auch im Anschluss an dieses Gespräch wiederholt nicht kam, schrieb ich an den Kundenservice des Süddeutschen Verlags: “Sehr geehrte Damen und Herren…” Vermutlich, weil ich auch auf meinen Blogpost und die Aufmerksamkeit verwies, die der bekommen hatte, rief mich drei Tage später Herr K. persönlich an an, der Teamleiter des SZ-Aboservices.

Er war sehr freundlich und fragte, ob mein SZ-Exemplar jetzt wieder pünktlich käme? Das war damals so (seither war die Zeitung noch ein Mal nicht um 7 Uhr im Kasten), und er bot mir an, mich demnächst persönlich an ihn zu wenden, falls es weiter Probleme geben sollte. Ich sagte ihm, dass ich persönlich jetzt zufrieden sei, aber auch hoffe, dass er das Problem nicht nur ein paar Straßen weiter geschoben habe. Lachen am anderen Ende der Leitung.

Ich fragte Herrn K. dann noch, ob der Süddeutsche Verlag (SV) seinen Zustellern denn den Mindestlohn zahle oder das beabsichtige? Er antwortete darauf ausweichend, dass das im Münchener Stadtgebiet durchaus oft der Fall sei, zumal es dort gute Touren gebe, wo die Zusteller pro Hochhaus 30 oder 40 Zeitungen auf einmal los werden. Das war nicht meine Frage, obwohl es sie indirekt auch beantwortet: nämlich mit nein. Der SV zahlt pro Zeitung oder Tour, und es ist das Problem des Zustellers, an eine gute Tour und damit an einen ordentlichen Stundenlohn zu kommen.

Da ich in Bergisch Gladbach wohne und die SZ hier nur Huckepack von Zustellern mitgenommen wird, die im Wesentlichen die lokale Ausgabe des Kölner Stadtanzeigers tragen, hat der SV hier keinen direkten Einfluss, jedenfalls keinen großen. Auf meine Nachfrage, welche Position der SV denn in der Diskussion um die Ausnahme der Zeitungszusteller vom Mindestlohn eingenommen hatte, ging er nicht ein, weil er nicht für den Verlag sprechen wollte.

Nun, zumindesten einige Münchener Zeitungszusteller haben dazu eine klare Meinung – und sie ist nicht schmeichelhaft für den SV: “Mindestlohn – kein Thema für die SZ”. In der Marginalspalte wird die Situation dort so dargestellt:

Ausgangspunkt des Konflikts ist die Absicht der Süddeutschen Zeitung, die Zustellkosten massiv zu senken. Insbesondere die sog. “Alt-Verträge” sollen in der Summe um rund 30 Prozent abgesenkt werden. (Und das, obwohl die Vergütungen bereits seit 15 Jahren stagnieren!) Mit einer ausgesprochenen Eskalations-Strategie versucht ein nobler Zeitungsverlag seither, lästige Betriebsräte aus dem Weg zu schaffen und mit allen Mitteln – einschließlich der Kündigung ganzer Belegschaften – ihr Dumpinglohn-Prinzip durchzusetzen.

Es lohnt sich, in dem Blog mal ein paar Artikel zu lesen. Ich kann deren Wahrheitsgehalt nicht überprüfen, eins ist aber sicher: Zusteller der SZ sind nicht glücklich darüber, wie mit ihnen umgegangen wird. Und ich interpretiere das Ausweichen von Herrn K. mir gegenüber so, dass der Süddeutsche Verlag keineswegs vorhat, ab 01.01. den Mindestlohn zu zahlen.

Die einzige Alternative, außer der Kündigung des Abos, wäre nun für mich, auf den Einzelverkauf umzusteigen. Obwohl ich ahne, dass die Lieferanten, die die Zeitungspakete vor dem Büdchen abladen, auch nicht mit Geld zugeschüttet werden.

Thomas Middelhoff, oder der Mann, für den nur noch falsche Dichotomien sprechen

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung versucht sich heute Rainer Hank  an einer vorsichtigen Verteidigung des Management-Stils von Thomas Middelhoff: Nach dem Middelhoff-Urteil: Die Stunde der Langweiler. Rainer Hank ist nicht irgendwer, er leitet immerhin den Wirtschafts- und Finanzteil der FAS. Und eines ist nach der Lektüre seines Artikels sicher: Wenn selbst dem Kopf der Wirtschaftsredaktion einer konservativen Zeitung nur noch falsche Dichototmien einfallen, um Middelhoff zu verteidigen, dann hat der seine drei Jahre Knast vermutlich verdient.

Es beginnt schon in der Einleitung des Textes: Entweder Middelhoffs Großmannssucht oder Duckmäuser, stellt Hank gegenüber. Ist das wirklich die einzige Wahl?

Der Artikel führt die größten Verfehlungen Midelhoffs auf: Er hat Arcandor 95.000 € berechnet, die für An- und Abreise zu einem Nebenjob fällig wurden. Und er hat Aufwendungen von 180.000 € abgerechnet, um einen Bertelsmann-Manager in einer Festschrift zu loben. Ich kann mir ja noch vorstellen, wie man die Hubschrauberflüge zwischen dem Familienheim und dem Arbeitsort vor sich selbst rechtfertigen kann. Für die beiden Posten oben fehlt mir aber tatsächlich jede Phantasie, Rainer Hank auch.

Dann jedoch verteidigt er das selbst von ihm so genannte “Statusgeprotze” heutiger Unternehmer mit dem schwächstmöglichen Argument: Es sei nicht strafbar. Die Strafbarkeit aber, so Hank andererseits, sei eine Keule, mit der die Gesellschaft in letzter Zeit immer häufiger zuschlage. Und was der Richter uns sagen wolle, “wenn er erwähnt, dass ausgerechnet in Saint Tropez ‘bei einem Glas Wein der Abbau von 4000 Arbeitsplätzen beschlossen wurde’? Hätte man das besser in Essen-Altendorf bei einem Glas Wasser tun sollen?”

Ja, ich denke, genau das wollte der Richter sagen. Und ich auch. Es ist nämlich eine Scheinwahl, zwischen dem Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen bei Wasser und Brot und dem Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen bei Rotwein und Tapas wählen zu müssen. Vielmehr darf man vermuten, dass die Distanz zu den Betroffenen einer Entscheidung diese Entscheidung leichter macht. Hätte Middelhoff die Entscheidung im Büro des Geschäftsführers des Karstadt-Stammhauses treffen und anschließend jedem der 4.000 seine Entlassung persönlich mitteilen müssen, wäre die Entscheidung dann möglicherweise anders ausgefallen?

Ja, kann man das Vorgehen verteidigen, und genau deshalb will man, dass ein Unternehmenschef seine Entscheidung mit Distanz, zum Wohl des Unternehmens und unabhängig von Einzelschicksalen trifft. Aber auch dann bricht Hanks Argumentation zusammen.

Ich habe es persönlich erlebt, wie in schwierigen Zeiten, als in meinem Unternehmen und Betrieb Leute entlassen wurden, der damalige Vorstandsvorsitzende die Sitzungen des Vorstands auf Mallorca abhielt. Gleichzeitig wurde bei uns um entlassene Kollegen geweint und um jeden einzelnen gekämpft. Uns fehlte ein klitzekleines bisschen Verständnis und dem Vorstand bald jeder Rückhalt in der Belegschaft. Seine unehrenhafte Entlassung wurde mit Befriedigung aufgenommen.

Es gehört sich nicht, Wein zu trinken, und Wasser zu predigen. Es nimmt der Unternehmensführung die Legitmität. Es ist unmoralisch.

Aber schließlich schreibt Rainer Hank: “Der neue Moralismus vertreibt die Exzentriker und Charismatiker.” Wirklich? Sind Charismatiker immer unmoralisch? Sind es Exzentriker? Man muss nicht den notorischen Wolfgang Grupp anführen, um zu verdeutlichen, dass Exzentrik (Dreiteiler, Werbung mit Affe, Hausdiener!) und moralische Verantwortung sehr wohl Hand in Hand gehen können.

Man muss sich nur mal vorstellen, wie die Angestellten von Karstadt es Middelhoff gedankt hätte, wenn er Arcandor vor der Pleite bewahrt hätte. DAS wäre nämlich moralisch gewesen: Etwas Gutes für andere Menschen tun, für die Gesellschaft. Wie man ihm die Hubschrauberflüge gegönnt hätte!

Dass Exzentrik mit Leistung einher gehen muss, halte ich nicht für moralinsauer. Niemand will Duckmäuser in Vorstandsetagen – sondern Menschen, die Leistung bringen, dabei gerne exzentrisch sind, und die hinterher, falls nötig, zu ihrem Versagen stehen. Echte Unternehmer eben. Keine Kriegsgewinnler, keine Pleiteprofiteure, keine Kapitäne, die als erste von Bord gehen – mit einem Glas Rotwein in der Hand.

[Update am 17.11.] Heute bläst Marc Beise in einem Kommentar der SZ in ein ähnliches Horn wie Rainer Hank. Dabei hantiert er unter anderem mit der Behauptung, drei Jahre seien ein hartes Strafmaß, mancher Totschläger bekomme weniger. Als ich allerdings das letzte Mal ins Gesetz schaute, stand da noch, dass Totschläger nicht unter fünf Jahren bekommen. Tatsächlich gibt es schuldmindernde Gründe, auf Grund derer eine Kammer auch unter das Mindestmaß gehen kann, beispielsweise wenn der Täter während der Tat sturztrunken war. Ich finde es persönlich zwar falsch, Trunkenheit schuldmindernd zu werten, schließlich ist das Trinken von Alkohol eine bewusste Entscheidung des Täters gewesen. Aber vielleicht könnte aus dem Middelhoffschen Rotwein so doch noch ein unerwartet wichtiger Aspekt der Schuldfindung werden…

Wie der Mindestlohn tatsächlich die Pressefreiheit gefährdet

In diesen Tagen wird meine Zeitung morgens sehr unregelmäßig geliefert. In den vergangenen zwei Wochen war sie fünf Mal nicht um 7 Uhr im Briefkasten, wie es die Norm sein sollte. Heute scheint sie überhaupt nicht zu kommen. Ich bin nach mehreren Reklamationen kurz davor, dem Süddeutschen Verlag mit der Kündigung zu drohen: Ich brauche keine Zeitung, die ich abends bekomme; ich will sie morgens in der Bahn lesen. Außerdem ist es schlicht und einfach Vertragsinhalt, dass die Zeitung um 7 da ist. Ich zahle dafür und will die Gegenleistung auch bekommen.

Auf meiner samstäglichen Morgenrunde mit dem Hund, heute etwas später, gegen 10:30 Uhr, traf ich zufällig den Zeitungsboten. Ich quatschte ihn an, ob er tatsächlich jetzt erst die Zeitungen bringe? Er antwortete ja, offensichtlich schon. Ich: Sie waren in den vergangenen Tagen auch häufiger mal spät dran, oder? Er: Ja, ich weiß, das liegt daran, dass wir wegen dem Mindestlohn keine Leute mehr finden und deshalb total unterbesetzt sind. Sobald es irgendein Problem gibt, mal jemand krank wird, kann niemand mehr einspringen. Ich musste letztens an einem Tag drei Touren machen.

Ich verstand erst gar nicht, was das mit dem Mindestlohn zu tun haben sollte. Bis er meinte: Die Merkel war deswegen ja extra vier Mal bei Dumont.

Stimmt, dämmerte es mir – weil die Verleger massiv dafür lobbyiert hatten, dass am Ende die Zeitungsboten noch für einige Zeit vom Mindestlohn ausgenommen wurden! Weil es, so die Drohung, die Pressefreiheit gefährden würde, wenn die Zeitungsverleger ihren Boten den Mindestlohn zahlen und deswegen ihre Publikationen verteuern müssten.

Tatsächlich ist es jetzt exakt umgekehrt: Menschen, die sich für niedrig qualifizierte Arbeit interessieren, machen einen Bogen um Zeitungsboten-Jobs, weil sie anderswo den Mindestlohn bekommen, dort aber nicht. Und so müssen die Verleger ihre Publikationen nicht verteuern, bekommen sie aber nicht mehr zu ihren treuesten Kunden: den Abonnenten.

Über das Eigentor-Desaster mit dem Leistungsschutzrecht wurde in den letzten Tagen ja ausführlich berichtet. Und beim Mindestlohn nimmt nun dasselbe Elend seinen Lauf: Lange haben die Zeitungsverleger gekämpft, die Kanzlerin persönlich überzeugt, und ihr Ziel erreicht, die Zeitungsboten vom Mindestlohn auszunehmen. Und nun stellt sich heraus, dass diese Maßnahme präzise kontraproduktiv ist.

Und wenn man mal ganz kurz scharf hindenkt, dann meint man fast, dass man darauf auch vorher hätte kommen können.

Wer auch immer die deutschen Zeitungsverleger berät, der müsste sich so langsam auf Schadenersatzklagen einstellen.

[UPDATE] Nachtrag am 19.11. zur Position des Süddeutschen Verlags in dieser Sache.

Fortuna Köln – Hansa Rostock 1-0 (1-0)

Da ich heute keine Zeit für einen ausführlichen Bericht habe, nur ein paar unsortierte Beobachtungen zum gestrigen Sieg der Fortuna über Hansa Rostock:

  • Die Mannschaft hat endlich das Selbstvertrauen wiedergefunden, das ihr quasi mit der Auftaktniederlage in Großaspach verloren gegangen war. Da sind wieder Druck und Zug nach vorne, da ist auch wieder die Durchschlagskraft, das ist vor allem auch wieder Mut.
  • Es werden Gegner kommen, gegen die diese Mannschaft weniger Chancen hat als gegen die vor allem in Halbzeit 2 doch recht schwachen Rostocker. Aber dann erinnert sie sich hoffentlich an die letzten drei Spiele und weiß, dass sie in dieser Liga bestehen kann, auch wenn das zu Beginn der Saison noch nicht ganz klar war.
  • Die Wende zum Besseren im bisherigen Saisonverlauf kam aus meiner Sicht mit einem Spieler, dessen Spiel vielleicht etwas weniger auffällt: Markus Pazurek. Er brachte auf der Sechserposition die Stabilität ins Mittelfeld, die sowohl defensiv wie auch offensiv gebraucht wird, um ein Spiel kontrolliert aufziehen zu können.
  • Ich hätte vor Saisonbeginn niemals gedacht, dass ausgerechnet die Defensive uns die Ergebnisse bringt. Nur vier Mannschaften in der Liga haben weniger Tore kassiert als die Fortuna, davon wiederum zwei nur ein einziges weniger.
  • Umgekehrt hat aber auch jede Mannschaft in der Liga mehr Tore geschossen als Fortuna, bis auf eine, die gleich viele hat. Das Spiel gestern hätte diese Statistik unbedingt ändern müssen, drei Tore hätte da unbedingt heraus springen müssen.
  • So sehr ich Thomas Kraus und seinen unermüdlichen Einsatz mag: Als Anspiel- und Ablegestation für lange Bälle konnte mich Kialka in den letzten Spielen mehr überzeugen. Kraus springen die Bälle oft zu weit weg, seine Ablagen sind zu ungenau. Sehr schade, dass Kialka verletzt ist.
  • Johannes Rahn ist ein begnadeter Techniker. Aber das darf er bitte auf gar keinen Fall lesen, sonst versucht er wahrscheinlich demnächst, sich noch nach dem Spiel bin in die Kabine zu fummeln. Gib mal ab, Johannes! Die anderen wollen auch mitspielen, und du musst die Viererkette gar nicht alleine ausspielen, jedenfalls nicht jeden einzelnen von denen.
  • Kusi Kwame hat sich für mich auf rechts hinten erst mal festgespielt. Gegen stärkere Stürmer als die aus den letzten Spielen wird er wieder seine Probleme haben, und die Position ist weiterhin unsere am schwächsten besetzte. Aber aus dem Trio Sievers, Engelmann und Kwame ist er der stabilste dort. Wenn Zinke zurück kommt, wäre Pazurek eventuell noch eine Alternative.
  • Sehr gute Leistung der Innenverteidigung!
  • Schwacher Schiedsrichter, bei dem ich am Anfang den Eindruck hatte, dass er ein paar Mal auf Verdacht gepfiffen hat. Kein Blick für’s Spiel, schlechte Zweikampfbewertung, und das nicht nur, weil er das klare Foul beim Konter an Rahn laufen ließ, wo es Freistoß und eventuell sogar Rot hätte geben müssen.

 

Fortuna Köln – SpVgg Unterhaching 2-0 (1-0)

Von den fünf Gegnern, die sich bisher im Südstadion vorstellten, war Haching eindeutig der schwächste. Nicht zuletzt deshalb reichte es für die Fortuna endlich, endlich zum ersten Heimsieg. Nach den gezeigten Leistungen wäre ein Unentschieden auch vertretbar gewesen, andererseits hatte Fortuna auch nach besseren Leistungen schon die Punkte liegen lassen,  in gewisser Hinsicht also ausgleichende Ungerechtigkeit.

Südstadion

Gleich fünf Wechsel hatte Uwe Koschinat gegenüber der Niederlage bei den Kickers vorgenommen, und die meisten fruchteten. Insbesondere Markus Pazurek brachte als Sechser mehr Stabilität ins Defensivverhalten, wo die Kombination aus Andersen und Marquet zuletzt doch hauptsächlich nach vorne gedacht hatte. Thiemo-Jerome Kialka belebte das Offensivspiel, obwohl er keine große Torgefahr ausstrahlte, sich aber gut bewegte und einige gute Ablagen zeigte.

Rechts hinten durfte sich nach Sievers und Kwame zum ersten Mal Dennis Engelmann versuchen, 19 Jahre, aus der A-Jugend von Bayer Leverkusen ausgeliehen. Leider blieb sein Auftritt genauso erfolgsarm wie die seiner beiden Vorgänger. Diese Position bleibt aus meiner Sicht die größte Baustelle im Kader, die auch durch die Rückkehr der verletzten Spieler nicht geschlossen werden wird. Mehrere Male ließ Engelmann seine Seite sperrangelweit offen stehen, und hatte schon nach zehn Minuten Glück, als sein Gegenspieler auf einmal 40 Meter Feld vor sich hatte, dass der mit seiner Hereingabe nur Uaferro fand.

Dennis Engelmann

Das wiederum war nicht nur Zufall, denn Boné Uaferro war gestern der beste Mann auf dem Feld: Wie ein Turm stand er in der zentralen Defensive, wie ein magnetischer Turm obendrein. Er schien die Bälle anzuziehen und entschied sich dann immer richtig, entweder unter Druck für den klaren Befreiungsschlag, oder mit einem bisschen Zeit für den klugen und präzisen Kurzpass. Herausragend!

Offensiv war Kialka bemüht und quirlig, genauso wie Kessel, dem aber wenig Durchschlagendes gelang und der zurecht ausgewechselt wurde. Cauly Souza zeigte eine solide Leistung. Wenn auch noch Johannes Rahn einen guten Tag erwischt hätte, dann hätte das Spiel früher entschieden sein können. Rahn erzielte zwar den Führungstreffer, aber sonst gelang ihm nicht viel, inbesondere mit dem Rücken zum Tor misslangen ihm Ablagen auf Mitspieler in Serie.

So gehörte der Fortuna die erste Halbzeit, nachdem sie die Anfangsphase überstanden hatte und später ein Hachinger Kopfball nach einem Freistoß aus dem Halbfeld nur auf die Latte getropft war.

Ups, der war auf der Latte

Nach dem Köln Führungstreffer kam Haching phasenweise kaum aus der Abwehr heraus, die abgewehrten Bälle landeten postwendend wieder bei der Fortuna, die zu diesem Zeitpunkt druckvoll nach vorne spielte den Sack schon hätte zumachen können.

Mit der Einwechslung von Sascha Bigalke allerdings bekam Haching nach der Halbzeit den Spielverlauf weitgehend in den Griff. Es schien manchmal so, als hätten die Mannschaften in der Pause nur die Trikots getauscht. Doch wer bei einem Konter selbst einen ordentlichen Querpass nicht im leeren Tor unterbringen kann, sondern nur ans Außennetz setzt, der kassiert dann nach alter Fußballerregel selbst das Tor: Ein sehr weiter Abschlag von Poggenborg (insgesamt verbessert!) landete Mitte der gegnerischen Hälfte bei Dahmani, der schlug eine wolkenhohe Bogenlampe über den Torwart hinweg, und der Hachinger Verteidiger versuchte gar nicht erst nicht, den herabfallenden Ball zu erwischen, sondern stellte sich auf die Linie und überließ das Thomas Kraus, der ihn im Netz unterbrachte.

Dieser Sieg war nicht unvermeidlich, aber nach einigen Enttäuschungen der letzten Wochen auch nicht unverdient. Hoffentlich geben die Punkte der Mannschaft Auftrieb. Die Geschlossenheit stimmte jedenfalls wieder einmal. Es werden aber auch wieder Gegner kommen, die besser Fußball spielen. Am kommenden Wochenende in Dortmund jedoch scheint es den bisherigen Ergebnissen zufolge eine erkennbare Chance zu geben, den nächsten Schritt aus dem Keller zu tun.

Spielbericht des BR: http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/blickpunkt-sport/spvgg-unterhaching-der-favorit-strauchelt-beim-aufsteiger-100.html

Alle meine Fotos vom Spiel: https://www.flickr.com/photos/surfguard/archives/date-posted/2014/09/14/

Fortuna Köln - SpVgg Unterhaching

Konsequente Blockbildung in der Auswärtskurve

Klaus Ulonska, drei Punkte im Blick

Fortuna Köln – VfL Osnabrück 0-1 (0-0)

Ich habe gestern Abend lieber nichts geschrieben, da war ich viel zu enttäuscht. Nicht sauer, einfach nur sehr, sehr enttäuscht. Und da ich heute auch keine Zeit für einen längeren Bericht habe, kurz ein paar Beobachtungen:

  • Kämpferisch hat mich die Mannschaft überzeugt. Sie gibt nie auf, wirft sich bis zum Schluss rein.
  • Der große Unterschied, der sich gestern auftat, war auch nicht die Spielanlage: Die der Fortuna ist in der 3. Liga genauso gut wie in der Regionalliga.
  • Aber in Sachen Ballbehandlung habe ich gestern einen Klassenunterschied zu Osnabrück gesehen. Wenn ich sehe, wie Osnabrücker hart aus dem Strafraum geschlagene Bälle an der Außenlinie mit der Brust annehmen und dann sofort weiterverarbeiten, dann ist das einfach meilenweit von fast allen Kickern der Fortuna entfernt. Lediglich Andersen und Rahn konnten in dieser Hinsicht mithalten.
  • Körperlich war Fortuna auch noch keiner Mannschaft überlegen, auch gestern nicht dem VfL.
  • Das logische Resultat sind dann häufige Ballverluste. In der Regionalliga hast du eben die halbe Sekunde mehr Zeit bei der Ballannahme. In dieser Liga müsste man die Zeit mit besserer Technik rausholen, aber das können die Spieler der Fortuna nicht.
  • Rahn ist für mich ein großer Lichtblick. Er versucht manchmal noch zu viel, mit dem Kopf voraus durch fünf Spieler durch geht selten gut. Aber er gewinnt die Mehrzahl seiner Kopfbälle auf dem rechten Flügel, wenn er in die langen Bälle springt. Und mit dem Fuß: s.o.
  • Der Elfmeter war absolut gerechtfertigt: Hörnig trat dem Osnabrücker gegen den Außenrist.
  • Schön zu sehen, dass Souza gleich Verantwortung übernahm. Aber ganz ehrlich: Wenn ich schon jeden ruhenden Ball trete, dann dürfen die auch ein bisschen schärfer in den Strafraum kommen. Über hohe, weite, weiche Bälle lacht doch jeder Innenverteidiger. Dennoch ein Auftritt, der Mut macht.
  • Die Strafraumbeherrschung des Osnabrücker Torwarts fand ich überragend. Schade, dass Fortuna seinen einzigen Klops, als er den Ball fast unbedrängt fallen ließ, nicht ausnutzen konnte. Aber kurz vor Schluss gab es eine Szene, wo er zuerst nur noch knapp mit der Hand an eine weite Flanke kam – und eine Sekunde später schon wieder den Nachschuss abwehrte, weil er durch das Strafraumgetümmel etwas aus dem Tor gerückt war. Unglaublich handlungsschnell.
  • Nachdem ich gestern Abend wirklich sehr deprimiert war, weil mir meine Mannschaft vollständig chancenlos erschien, kann ich heute auch sehen: Selbst solche Spiele gestaltet die Fortuna knapp, hat bis zum Schluss die Möglichkeit zu punkten und setzt alles daran, das auch zu tun.
  • Zum untersten Rand des Punktesolls fehlt nur ein Sieg im nächsten Spiel, dann wären es gleich viele Punkte wie Spiele. Das wird auf Dauer nicht ganz zum Klassenerhalt reichen, aber letzte Saison hätten 41 Punkte aus 38 Spielen genügt.

Nach sieben Jahren, in denen wir in unserer jeweiligen Liga immer mindestens mithalten konnten, meist sogar um die Spitze spielten, fühlt sich Abstiegskampf etwas ungewohnt an. Aber komm ruhig her, du blöde Sau!

Fortuna Köln – Chemnitzer FC 1-2 (0-0)

Kaum zu glauben, dass die Fortuna dieses Spiel nicht gewann. Nach der ersten Halbzeit hätte schon alles klar sein müssen, doch in der Viertelstunde nach der Pause gab die Fortuna das Spiel aus der Hand – leider wieder durch Fehler, die nicht passieren mussten.

Auflaufen der Mannschaften

Uwe Koschinat vertraute der Elf, die in Halle unter der Woche den ersten Saisonsieg geholt hatte – inklusive zu Beginn wieder einem Spezialeinsatz für Nullnull Kwame: Der tanzte in den ersten 20 Minuten mit Lais, der Chemnitzer Nummer 6, den Paso Doble, machte dann einen Partnertausch und blieb fortan bei Mauersberger, bevor er schon vor der Pause auf die mannungebundene 6er-Rolle wechselte. Mauersberger blieb ohnehin in der Kabine, so dass Kwame mit Hörnig die Doppelsechs bilden konnte. Durch die Manndeckung der gegnerischen 6 wurde Kwame zuvor zwangsläufig oft auf die 10er-Position gezogen, Dahmani stand dann tiefer.

Kusi Kwame mit seinem Bewachungsobjekt

Der Schreckmoment der ersten Halbzeit kam gleich zu Beginn, als Uaferro (?) einen Ball auf’s eigene Tor köpfte, den Poggenborg jedoch noch fischen konnte. Anschließend spielte 45 Minuten lang fast nur noch die Fortuna. Chemnitz ließ zwar erkennen, mit welchem Spiel sie die Ligaspitze erobert hatten, aber die Steilpässe auf die schnellen Spitzen kamen nicht an oder wurden oft gut verteidigt.

Die Fortuna hingegen zeigte endlich das Spiel, mit dem sie letztes Jahr die Regionalliga dominiert hatte: Klares, geradliniges Spiel in die Spitze, oft mit Kopfballverlängerungen den rechten Flügel hinunter. Zwei Großchancen spielte sich die Mannschaft neben einigen kleineren heraus: Michael Kessel konnte einen guten, im Strafraum von einem Mitspieler noch durchgelassenen Querpass nicht scharf und oder platziert genug auf’s Tor bringen, so dass der Chemnitzer Torwart noch halten konnte. Und Johannes Rahn zeigte nicht nur in der folgenden Szene seine großen fußballerischen Qualitäten: Alleine tanzte er vier Chemnitzer aus, zielte auf die lange Ecke und scheiterte nur am Pfosten.

Die Führung hätte fallen müssen, denn die Fortuna hatte dieses Spiel komplett im Griff, war die klar bessere Mannschaft.

Fortuna Köln - Chemnitzer FC

Doch nach der Pause zeigte dann Chemnitz, wie man es macht: Zunächst durfte Michael Kessel sich ansehen, wie man einen Querpass aus nahezu identischer Position platziert einschießt: 1-0 für Chemnitz, nachdem zuvor, wie schon letzte Woche, Hörnig einen defensiven Zweikampf vor dem eigenen Strafraum verloren und den Pass auf halbrechts nicht hatte verhindern können.

Gästejubel nach dem 0-1

Nur neun Minuten später dann der spielentscheidende Aussetzer von Bone Uaferro: Einen eigentlich abgefangenen Ball ließ er zu hoch vom Kopf (nicht vom Fuß, wie ich es aus der Distanz zunächst gesehen hatte) springen, so dass ein gegnerischer Stürmer ihn erobern konnte, nur um sich gleich wieder von Uaferro elfmeterreif legen zu lassen: 2-0 für den CFC.

Uaferro nach seinem Foul zum Elfmeter

Elfmeter für Chemnitz zum 0-2

Sofort im Anschluss bekam die Fortuna das Spiel wieder in den Griff, drängte nach vorne, kam aber nur noch zum Anschluss durch den eingewechselten Aydogmus, der den Fuß in einen Bender-Freistoß aus dem Halbfeld bekam.

Aydogmus trifft zum 1-2

In der Schlussminuten konnte der Chemnitzer Keeper dann noch einen Kopfball aus kurzer Distanz halten. Das Unentschieden wäre nach Spielanteilen und Torchancen hoch verdient gewesen, aber am Ende gewann die Mannschaft, die ihre Chancen nutzte. Nach einer sehr guten Leistung über 75 Minuten bitter für die Fortuna, aber auf diese Leistung kann man aufbauen und würde, falls sie sich stabilisieren lässt, mit dem Abstieg wohl nichts zu tun haben.

Eine Einzelkritik:

  • Poggenborg: Auf der Linie und auch bei Flanken/Ecken gewohnt sicher. Aber sein Spiel mit dem Fuß muss bitte möglichst schnell um einiges besser werden. Was er sich in diesem Spiel an schlechten langen Bällen leistete, war wirklich erschreckend. Sowas kann man bitte einfach mal üben.
  • Sievers: Keine gute Leistung, war wiederholt viel zu langsam gegen den allerdings auch pfeilschnellen Ofosu. Die rechte Außenverteidigerposition kristallisiert sich langsam als eine der größten Schwachstellen der Mannschaft heraus.
  • Laux: Solide Leistung, im Zentrum brannte nicht viel an.
  • Bender: Wurde aus mir unklaren Gründen für Laux (verletzt?) eingewechselt, machte einen unsicheren Eindruck im Spielaufbau und spielte einen haarsträubenden Fehlpass in des Gegners Fuß, der zum Glück kein Tor zur Folge hatte. Schlug aber auch den Freistoß zum Tor von Aydogmus.
  • Uaferro: Machte mit seinem Aussetzer zum Elfmeter eine sehr gute ersten Halbzeit zunichte, in der er besonders in der Luft viele Bälle verteidigte.
  • Fink: Machte den Flügel meist ordentlich zu, allerdings fiel das 0-1 über seine Seite. Kam offensiv aber nicht so zur Geltung wie sonst oft.
  • Hörnig: Verlorener Zweikampf vor dem 0-1, fiel ansonsten nicht besonders auf, von ihm kommt nach vorne zu wenig.
  • Kwame: Gute Leistung, leistete sich kaum Fehler, aber auch zu schwach in der Spieleröffnung, immerhin mit soliden kurzen Pässen.
  • Kessel: Ständiger Unruheherd, konnte sich aber nicht entscheidend durchsetzen. Schnelles Passpiel scheint für ihn in dieser Liga angebrachter zu sein als Dribblings, die doch regelmäßig in Ballverlusten enden. Musste laut Stadionsprecher verletzt ausgewechselt werden, hoffentlich nichts Schlimmes.
  • Dahmani: Konnte sich nach vorne zu selten durchsetzen, spielte einmal einen guten Ball auf Rahn, in dessen Schuss der Gegner gerade noch einen Fuß halten konnte.
  • Aydogmus: Bringt weiterhin viel Power, machte sein Tor und hätte fast mit einem Rechtsschuss auf’s kurze Eck ein weiteres erzielt.
  • Rahn: Der Fortuna-Spieler des Tages, war in der Offensive fast allgegenwärtig, über seinen rechten Flügel ging viel, und auch seine Dribblings gelangen meistens. Das Dribbling mit anschließendem Pfostenschuss hätte fast sogar mehr als ein Tor verdient gehabt, erntete aber keines. Dennoch eine absolute Top-Leistung!
  • Kraus: Das weiß man, was man hat.
  • Kialka: Kam spät für Kessel, konnte sich auf links noch ein, zweimal gut durchsetzen.

P.S.: Alle meine Fotos vom Spiel unter https://www.flickr.com/photos/surfguard/archives/date-taken/2014/08/10/

Regen im Südstadion

Nach dem Schlusspfiff

Chemnitz feiert

"Fußball muss bezahlbar sein"